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Klappentext
Aus dem Albanischen von Joachim Röhm. Was ist passiert in der Nacht des 13. Dezember im Schlafzimmer des 'designierten Nachfolgers', dessen Leiche am folgenden Morgen mit einer Kugel im Herzen gefunden wird? Hat er sich selbst umgebracht, wie man zuerst annimmt, oder war es gar Mord, geplant im Kreis der höchsten Machthaber? Und was ist wahr an dem Gerücht, dass ein Tunnel verlaufe zwischen dem Haus des Nachfolgers und dem Anwesen des 'Führers'? In "Der Nachfolger" wendet sich Ismail Kadare dem dunkelsten Rätsel der neuesten Geschichte Albaniens zu, dem mysteriösen Tod des Zöglings von Diktator Enver Hoxha. Noch heute, ein Vierteljahrhundert nach diesem Todesfall und mehr als fünfzehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Regimes, liegt dieses Geheimnis im Dunkeln. Meisterhaft verleiht Ismail Kadare dem realen Ereignis eine universelle Dimension und stellt die Figur des Nachfolgers in eine Reihe mit den großen Archetypen der Weltliteratur, wie Judas, Agamemnon, Brutus und Joseph K.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.12.2006
Renate Wiggershaus ist von diesem Roman des albanischen Autors Ismail Kadare, der darin die Ermordung des albanischen Ministerpräsidenten Mehmet Shetu von 1981 ins Zentrum rückt, zutiefst beeindruckt. Wie in fast allen seinen Büchern geht es Kadare nicht um historisch exaktes Erzählen oder die Verwertung eines spektakulären Mordfalls als Krimi, erklärt die Rezensentin. Vielmehr sei der Autor an den spezifischen Existenzbedingungen unter totalitärer Herrschaft und um die Deformationen, die das Individuum unter dieser Herrschaft hinnimmt, interessiert. Sie preist den Roman als meisterhafte Schilderung der mörderischen Situation innerhalb einer "totalitären Elite" und bewundert in der Darstellung der Gewissensbisse des Architekten, der das Haus des Ermordeten entworfen hat, auch eine beispielhafte Reflexion über die Situation des Künstlers unter den Bedingungen der Diktatur.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2006
Die literarische Qualität seiner Bücher sei nie in Frage gestellt worden, erklärt Rezensent Franz Haas das Phänomen Ismail Kadare, wohl aber seine politisch-moralische Integrität zur Zeit der Diktatur. Der Roman "Der Nachfolger" handele nun erneut von dieser Zeit. Die Figur des Architekten als Künstler mit Selbstzweifeln liest Haas als Alter Ego des Autors. Namenlos, aber mehr oder weniger deutlich erkennbar, tritt das Personal einer realen Politintrige aus dem Jahr 1981 auf, der Diktator selbst firmiert bloß als "der Führer". Hier, bei den "Mechanismen der Unterwerfung" und der Machterhaltung, beweise Ismail Kadare wieder einmal seine "schaurig beeindruckende Kunst". Für besonders raffiniert hält der Rezensent das letzte Kapitel des Romans, das in der scheinbar friedvollen Jetztzeit spielt. Hier erzählt der ermordete Nachfolger des Diktators gewissermaßen aus dem Off von der möglichen Wiederkehr der toten, aber "reuelosen" Seelen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006
Kleines Buch ganz groß. Zwischen den beiden Optionen ("frösteln oder fiebern"), die Ismail Kadares Roman dem Leser bietet, scheint sich Peter Körte fürs Frösteln entschieden zu haben: Zu realistisch kommt das rüber, zu finster ist das Geschilderte. Was der Autor und einstige Schützling des albanischen Diktators Hodscha hier legendenhaft (über den mysteriösen Tod des Hodscha-Nachfolgers) erzählt, lässt die "Retro-Science-fiction-Fantasie" des alten Albaniens auf eine Weise auferstehen, die in ihrer Klarheit vor dem Rezensentenauge zu schillern beginnt. Passt gut zur Paranoia eines solchen Regimes, meint Körte, und lauscht gebannt den vielen Stimmen des Romans - wie in einer Ermittlung.
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