Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Goldschmidt setzt seine mit der Studie "Als Freud das Meer sah" begonnene Analyse der deutschen Sprache vor dem Hintergrund der Psychoanalyse fort. Orientierte sich Freud an der grammatikalischen Struktur der deutschen Sprache, die die eigentliche Information immer an den Schluss der Sätze stellt, ganz im Gegensatz zum Französischen, wo Subjekt und Verb am Anfang eines Satzes die Aussage bestimmen? Eine Sprache entfernt sich nicht von ihrem Gebrauch. Freud hat seine Methode am Vorabend der aufziehenden Nazi-Barbarei entwickelt, eine Barbarei, die alles daran gesetzt hat, wie die Geschichte zeigt, zuallererst die Sprache zu beschmutzen und zu zerstören. Goldschmidt geht diesem Phänomen nach und analysiert das Einhergehen von Sprachreinigung und Sprachzerstörung. Er sieht in der deutschen Sprache die'Grundsprache', die von keiner anderen Sprache maßgeblich beeinflusst worden ist, die durchsichtig davon spricht, was dem Benutzer in dringlicher Wirklichkeit vor Augen steht. Die beiden Sprachen, Französisch und Deutsch, werden per definitionem einander so gegenüber gestellt: das Deutsche ist urwüchsig, dinghaft, kindlich-obszön, das Französische durch luzide Rationalität geprägt, theoriegeeignet, geschmeidig, erwachsen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.04.2007
Beeindruckt ist Rezensent Thomas Steinfeld von Georges-Arthur Goldschmidts "Freud wartet auf das Wort", dem zweiten Band seiner "Sprachspekulationen". Selten hat er ein Buch über Kultur und Kulturgeschichte der deutschen Sprache gelesen, das derart "intensiv und gelehrt" ist. Er erkennt bei dem Autor einen Willen, das "Innerste nach außen" zu holen. So scheint es ihm auch kein Zufall, dass Siegmund Freuds Sprache die "zentrale Referenz" des Bands bildet. Goldschmidts Untersuchung des "Schein des Urwüchsigen" der deutschen Sprache, der Spannungsbögen des Satzbaus, dem Spiel mit den Vorsilben und der deutschen Etymologie zeichnet sich für Steinfeld durch konzentrierte Aufmerksamkeit und Tausende von Beispielen aus. Die Intention des Autors sieht er letztlich darin, ähnlich wie es der Psychoanalytiker mit seinem Patienten tut, "das Geheime und Eigenartige der Sprache selbst sprechen zu lassen".
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.08.2006
Hans-Jürgen Heinrichs hat dieses Buch sichtlich inspiriert. Es ist der zweite Band des deutsch-französischen Romanciers und Übersetzers Georges-Arthur Goldschmidt über Sprache und Psychoanalyse. (Der erste Band hieß "Als Freud das Meer sah".) Anhand einer "unglaublichen Fülle von Beispielen" analysiere Goldschmidt die Unterschiede zwischen dem Französischen und Deutschen. Die zentralen Begriffe bei Freud kann man zwar nur annähernd übersetzen - doch für Goldschmidt macht gerade die "Mangelhaftigkeit", die jeder Sprache anhaftet, ihre "Produktivkraft" aus, so Heinrichs. Dabei denke Goldschmidt auch immer über die politische Dimension der Sprache nach - etwa wenn er "die am eigenen Leib erlebte historische Manifestierung des 'Unheimlichen' im Nationalsozialismus" beschreibt. Heinrichs ist "zutiefst beeindruckt".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








