Bücher der Saison
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Klappentext
Wir kehren mit Thomas Hürlimann zurück zur außergewöhnlichen Familie Katz - bereits bekannt aus der Novelle "Fräulein Stark" -, begleiten sie vom Zweiten Weltkrieg bis in die Zeit ihres Aufstiegs. Marie Katz, die talentierte Pianistin, liiert sich mit dem aus einfachen Verhältnissen stammenden Max Meier, der sich an die Spitze der Regierung hocharbeiten will. Eine Erfolgsgeschichte, an dem die klug im Hintergrund operierende Frau ihren wesentlichen Anteil hat. Sie verfügt über den notwendigen Stil, er hat den Willen und die Kraft. Vierzig Rosen sind das Symbol ihrer Liebe, einer Liebe, die manch große Belastung auszuhalten hat und für beide zu einer prägenden Lebensreise vom Morgen in den Abend wird.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.11.2006
Als schlicht "grandios" feiert eine immer wieder "erschaudernde" Rezensentin Evelyn Finger Thomas Hürlimanns neuen Roman und verneigt sich vor "einem der virtuosesten Erzähler der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur". Den Roman beschreibt sie als Epochenpanorama und aufwühlendes Familienepos. Besonders das "Wieder Weihnachten" überschriebene Kapitel hat der Rezensentin das "unerbittliche Einfühlungsvermögen" dieses Autors als "wichtigstes Element seiner Poetik" offenbart. Aber auch seine Metaphorisierungkunst, das "Stimmungspektrum seiner Landschaften" und die entlarvende Komik seiner Dialoge sorgen für enormes Lesevergnügen bei gleichzeitiger emotionaler Erschütterung. Es geht, wie wir lesen, um Aufstieg und Niedergang einer jüdischen Schneiderdynastie in der katholischen Schweizer Provinz, erzählt aus der Perspektive der getauften Urenkelin des Dynastiegründers, eines osteuropäischen Wanderschneiders. Besonders spannend fand die Rezensentin dabei, wie Hürlimann die Zeit des Faschismus im Alltag der neutralen Schweiz beschrieben hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.10.2006
Kristina Maidt-Zinke weiß, dass Thomas Hürlimann mit Vorliebe Material aus seiner eigenen Familiengeschichte in seine Prosa einarbeitet, und so könne man auch bei diesem Roman davon ausgehen, dass die Figuren der Ahnengalerie des Schweizer Autors entstammen, meint die Rezensentin. Im Mittelpunkt steht die stets stilbewusste, gebildete Marie Katz, die den späteren Politiker Max Meier heiratet; Marie leidet unter den plebejischen Gewohnheiten und Charaktereigenschaften ihres Mannes, fühlt sich an seiner Seite aber sicher vor in der Jugend erfahrenen antisemitischen Anfeindungen, wie die Rezensentin zusammenfasst. Wirklicher Komik begegnet man zum Bedauern der Rezensentin selten in diesem Roman, der mehr auf dezente ironische Töne setzt. Für Maidt-Zinke bleibt aber der innere Zwiespalt der Hauptfigur zu blass, was vielleicht daran liege, dass einen dieser Roman insgesamt merkwürdig kalt lässt und dieser opulente Strauß von "Vierzig Rosen" sich in ihren Augen letztlich nur als Kunstblumenstrauß entpuppt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006
Anfangs ist Pia Reinacher skeptisch. Das legt sich aber schnell. Des Autors Obsession mit der eigenen Familiengeschichte kennt sie nun schon. Einmal zu oft, so scheint es, ist sie Thomas Hürlimann in die Untiefen der familiären Identität gefolgt, ist den immer gleichen Motiven, Figuren und Orten begegnet. Das alles wirkt auf sie mitunter steif und rückwärtsgewandt. Die schiere Fülle dieses erneuten Versenkens in jüdisch-katholische Lebenswelten haut Reinacher aber dann dennoch sachte aus dem Sessel. Zu "kraftvoll", zu weit ausgreifend erscheint ihr das hier bewerkstelligt, als dass sie nicht von "großer Kunst" sprechen wollte. Das Szenische des Romans, hinter dem Reinacher natürlich den Dramatiker Hürlimann wittert, hat sie in seiner Plastizität und Geschwindigkeit einfach mitgerissen. Am Ende hat Reinacher den Eindruck, der Autor habe diesmal nicht nur einen Schlüsselroman über seine Eltern geschrieben, sondern mit dem Blick auf religöse Prägungen und Realisierungsmöglichkeiten von Lebensentwürfen in der Schweiz der 50er-70er Jahre Allgemeingültiges erschaffen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.09.2006
Martin Lüdke begeistert sich für den langsamen und fast schon bedächtigen Familienroman des Schweizers Thomas Hürlimann, der sich viel Zeit nimmt um souverän, leise, ironisch und komisch von einer untergegangenen Welt aus der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts zu erzählen. Der Rezensent liefert en passant eine aufschlussreiche Analyse des Genres "Familienroman", das sich als Physiognomie einer vergangenen Zeit beschreiben lässt. Hürlimanns Roman kombiniert alle Zutaten zu einer Aufstiegs- und Abstiegsgeschichte, die sich innerhalb der klassischen Gesellschaftsfelder Politik, Kunst und Familie und obendrein im "Mentalitäten-Reservoir" einer Kleinstadt abspielt. Gerade in der mittleren Gefühlslage, die ein rundes, erfolgreiches aber nicht sinnstiftendes Leben beschreibt, sieht der Rezensent in der Wiederholung des "Immergleichen" eine Radikalität am Werk, die allerdings daherkommt "als wäre sie gehäkelt".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2006
Einen leicht zwiespältigen Eindruck hat Thomas Hürlimanns neuer Roman bei Rezensent Roman Bucheli hinterlassen. Herausragend erscheint ihm das Porträt der Hauptfigur Marie Katz, in der hinter einem Panzer der Selbstbeherrschung und der scheinbaren Heiterkeit Verzweiflung, Einsamkeit und tiefe Trauer toben. Gerade im Blick auf die sublime, psychologisch differenzierte Zeichnung dieser Figur kann Bucheli den Autor gar nicht hoch genug loben. Das Schicksal dieser Marie, die ihrem schmierigen Mann völlig ergeben ist und alles mit sich machen lässt, hat ihn sichtlich berührt. Aber so großartig ihm die Gestaltung dieser Figur erscheint, so wenig gelungen findet er, von ein zwei Ausnahmen abgesehen, den Rest des Romanpersonals, das seines Erachtens vor allem aus Karikaturen besteht. Auch wenn das ab und zu durchaus witzig ist, mindert es für Bucheli doch ein wenig den "Zauber", "den Maries Schicksal und dessen literarische Bewältigung gleichermaßen ausüben".
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