Die "Arandora Star", ein ehemaliger Luxusdampfer unter britischer Flagge, wird 1940 auf ihrem Weg nach Neufundland torpediert und versenkt. An Bord über tausend Internierte, sogenannte feindliche Ausländer, darunter auch ein Gefangener, dessen Identität unklar ist. Von diesem Schiffsuntergang erfährt mehr als fünfzig Jahre später eine junge Frau, als sie die Spur des aus Österreich stammenden Schriftstellers Gabriel Hirschfelder verfolgt. Bei ihren Nachforschungen gelangt die junge Frau schließlich auf die Isle of Man, wo damals jüdische Flüchtlinge und Nazisympathisanten in Internierungslagern zusammengesperrt waren.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.10.1999
"Eine alpine Hochleistung" nennt Hubert Winkels dieses Buch und zeigt sich in seiner sehr ausführlichen Rezension besonders von Gstreins Versuch beeindruckt, sich der Wahrheit über das Leben Hirschfelders mittels verschiedener Erzählperspektiven zu nähern. Zwar wirken diese Perspektiven teilweise extrem unwahrscheinlich, ja sogar unlogisch (z. B. wenn die recherchierende Erzählerin, die über Hirschfelder fast nichts wissen kann, detailliert dessen innere Monologe und Eindrücke während dessen Gefangenschaft wiedergibt). Das raffinierte Geflecht von Erzählperspektiven sowie Identitätswechsel und Rollentausch helfe jedoch auf kunstvolle Art und Weise die Frage zu beleuchten, inwiefern Erinnerungen, "Wahrheiten", von persönlichen Interessen oder Wunschdenken geprägt sind. Kritisch äußert sich Winkels zum Anfang des Romans, als dem Schriftsteller Max vorgeworfen wird, er versuche sich an dem "Modethema" jüdischer Schicksale. Dies lasse, so Winkels, an die Äußerungen Martin Walsers zur "falschen Erinnerungskultur" denken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Martin Lüdke bespricht den neuen Roman des österreichischen Autors Norbert Gstreins als biografisches Rätsel, in dem die Identität der Hauptfigur um so unerklärlicher wird, je mehr man über ihre Handlungen und Unterlassungen erfährt. Seiner Dramaturgie nach ist das Buch laut Lüdke wie ein Krimi aufgebaut. "Geschickt um eine Leerstelle herum aufgebaut, virtuos erzählt und spannend bis zur letzten Seiten``, lobt er und führt behutsam in Gstreins Labyrinth hinein, kann einen aber nicht mehr hinausführen. Denn das Rätsel bleibt unlösbar, so Lüdke, und das Buch spinnt sich auch nach Ende der Lektüre im Kopf des Lesers weiter fort. Nur eine Lesehilfe gibt er noch mit auf den Weg: Der Preis, den man zahlen muss, um aus einem Labyrinth hinauszufinden, ist hoch.
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