Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Norbert Gstrein

Die englischen Jahre

Roman

Cover: Die englischen Jahre

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999
ISBN-10 3518410636
ISBN-13 9783518410639
gebunden, 389 Seiten, 20,35 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Die "Arandora Star", ein ehemaliger Luxusdampfer unter britischer Flagge, wird 1940 auf ihrem Weg nach Neufundland torpediert und versenkt. An Bord über tausend Internierte, sogenannte feindliche Ausländer, darunter auch ein Gefangener, dessen Identität unklar ist. Von diesem Schiffsuntergang erfährt mehr als fünfzig Jahre später eine junge Frau, als sie die Spur des aus Österreich stammenden Schriftstellers Gabriel Hirschfelder verfolgt. Bei ihren Nachforschungen gelangt die junge Frau schließlich auf die Isle of Man, wo damals jüdische Flüchtlinge und Nazisympathisanten in Internierungslagern zusammengesperrt waren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.1999

"Eine alpine Hochleistung" nennt Hubert Winkels dieses Buch und zeigt sich in seiner sehr ausführlichen Rezension besonders von Gstreins Versuch beeindruckt, sich der Wahrheit über das Leben Hirschfelders mittels verschiedener Erzählperspektiven zu nähern. Zwar wirken diese Perspektiven teilweise extrem unwahrscheinlich, ja sogar unlogisch (z. B. wenn die recherchierende Erzählerin, die über Hirschfelder fast nichts wissen kann, detailliert dessen innere Monologe und Eindrücke während dessen Gefangenschaft wiedergibt). Das raffinierte Geflecht von Erzählperspektiven sowie Identitätswechsel und Rollentausch helfe jedoch auf kunstvolle Art und Weise die Frage zu beleuchten, inwiefern Erinnerungen, "Wahrheiten", von persönlichen Interessen oder Wunschdenken geprägt sind. Kritisch äußert sich Winkels zum Anfang des Romans, als dem Schriftsteller Max vorgeworfen wird, er versuche sich an dem "Modethema" jüdischer Schicksale. Dies lasse, so Winkels, an die Äußerungen Martin Walsers zur "falschen Erinnerungskultur" denken.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.1999

Martin Lüdke bespricht den neuen Roman des österreichischen Autors Norbert Gstreins als biografisches Rätsel, in dem die Identität der Hauptfigur um so unerklärlicher wird, je mehr man über ihre Handlungen und Unterlassungen erfährt. Seiner Dramaturgie nach ist das Buch laut Lüdke wie ein Krimi aufgebaut. "Geschickt um eine Leerstelle herum aufgebaut, virtuos erzählt und spannend bis zur letzten Seiten``, lobt er und führt behutsam in Gstreins Labyrinth hinein, kann einen aber nicht mehr hinausführen. Denn das Rätsel bleibt unlösbar, so Lüdke, und das Buch spinnt sich auch nach Ende der Lektüre im Kopf des Lesers weiter fort. Nur eine Lesehilfe gibt er noch mit auf den Weg: Der Preis, den man zahlen muss, um aus einem Labyrinth hinauszufinden, ist hoch.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren