Aus dem Niederländischen von Maurus Pacher. Lieve Joris entführt in ihren Reiseerzählungen an magische Orte wie Sansibar, Senegal und Ägypten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen mit ihren besonderen Lebensgeschichten: Anna, die Missionsschwester, die ihre belgische Heimat seit über fünfzig Jahren nicht mehr gesehen hat, die Zweitfrau Nagla, die immer froh ist, wenn ihr Mann bei der anderen ist, aber auch der Schriftsteller V. S. Naipaul, mit dem Lieve Joris durch Trinidad reist. Und natürlich Aziza, die Sängerin von Sansibar, die von der Trauer über den Tod ihres Mannes überwältigt, von Freundinnen mit der Mitteilung getröstet wird, dass er ein notorischer Ehebrecher war.
Christiane Schott hat in den Reiseberichten von Lieve Joris viel Gutes entdeckt, weist aber auch auf Schwachstellen hin. Die sechs Texte, die zwischen 1987 und 1991 entstanden, findet ise immer noch lesenswert, auch wenn sie schon "etwas Patina" angesetzt haben. Durch Joris` Methode, langfristige Entwicklungen anhand von individuellen Schicksalen zu verfolgen, entstehen einfühlsame Porträts mit großem "psychologischen Gespür", lobt die Rezensentin. So stelle Joris in der titelgebenden Erzählung "Die Sängerin von Sansibar" beeindruckend ein "Stück verpfuschte Geschichte" der Gewürzinseln dar. Besonders begeistert ist die Rezensentin vom Text über Nagib Machfus. Diese Erzählung sind "herausragend" und zeigen die "zartfühlende Aufmerksamkeit der Autorin, schwärmt Schott, die den Text eine "brillante Miniatur" nennt. Gar nicht überzeugt ist sie hingegen von dem Porträt V. S. Naipauls. Sie findet ihn "schwammig". Zudem ist er sprachlich misslungen und weist syntaktische Mängel auf, moniert die Rezensentin. Sie weist auf "Stilblüten" hin, die ein aufmerksames Lektorat hätte vermeiden helfen können und vermisst an dem Text den "Feinschliff".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.07.2000
Mit leiser Anerkennung bespricht Hermann Wallmann diese kleine Sammlung der zwischen 1988 und 1991 entstandenen Prosatexte, bei denen ihm vor allem die "Feinfühligkeit" der Autorin und "ihr Verzicht auf Rhetorik" auffällt. Mehrmals betont Wallmann die eigene Zurücknahme der Autorin, ihre "hellwache Geduld - das Gespür für den rechten Augenblick". Dies betreffe ihre Porträts von V. S. Naipaul und Nagib Machfus genauso wie die Geschichten über eine Sängerin auf Sansibar oder über einen Journalisten während des Golfkrieges. Bezeichnend findet Wallmann die Äußerung der Autorin, dass Machfus ihr erscheint wir jemand, `der sich hinter die Mauern seiner Festung zurückzog, wo er sich allmählich in seinen eigenen Schatten verwandelte`. Genau dies - so vermutet der Rezensent - scheine Lieve Joris selbst "vorzuschweben".
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