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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Boris Barth

Genozid

Völkermord im 20. Jahrhundert. Geschichte, Theorie, Kontroversen

Cover: Genozid

C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN-10 3406528651
ISBN-13 9783406528651
Paperback, 271 Seiten, 14,90 EUR

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Klappentext

Genozid gilt als das "Verbrechen aller Verbrechen". Boris Barth stellt in diesem Buch kritisch dar, was unter Völkermord zu verstehen ist und was ihn von Massakern, "ethnischen Säuberungen", Verfolgung politischer Gegner und anderen Formen staatlicher Massengewalt unterscheidet. Diese Fragen werden an konkreten historischen Fällen von Völkermord veranschaulicht: an der Ermordung der europäischen Juden im Nationalsozialismus, am Völkermord an den Armeniern und an den Vorgängen in Ruanda 1994. Auch werden Fälle untersucht, in denen Genozidverdacht besteht: der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Herero, die stalinistischen Verbrechen und das Regime der Roten Khmer. Abschließend werden Frühwarnsignale erörtert, durch die Völkermord möglicherweise bereits im Ansatz erkannt und verhindert werden kann.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Genozid - Info und Inhaltsverzeichnis bei C.H. Beck

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2007

Enttäuscht zeigt sich Jürgen Zimmerer von Boris Barths Einführung in die Geschichte des Genozids. Zwar zollt er dem Unternehmen des Autors Respekt, da die Genozidforschung in Deutschland bisher recht stiefmütterlich behandelt werde. Für Zimmerer spiegelt das Scheitern von Barths Arbeit aber auch die Probleme der Disziplin. So nennt er ein strukturelles Problem, dass es in Deutschland kaum Wissenschaftlicher gibt, die Genozide selbst erforscht haben. Die meisten Wissenschaftlicher schrieben aus "großer Überflughöhe", wobei Differenzierungen zu kurz kommen. Auch bei Barth sieht er dieses Problem. Außerdem hält er dem Autor vor, "zu konventionell" und "zu unreflektiert" zu argumentieren. Dass Barth eine Reihe von Massenmorden als "Fälle von Genozidverdacht" bezeichne, nimmt ihm Zimmerer übel und wirft ihm Unkenntnis der aktuellen Literatur, vor allem angelsächsischer Provenienz, vor sowie "eurozentrische Überheblichkeit". Lücken kreidet er dem Autor auch beim Thema Nationalsozialismus an. Schließlich scheint ihm Barths Sprachgebrauch oft unsensibel, etwa wenn von "Ausrottungen" und "Rassenmischungen" die Rede ist.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.03.2006

Ein "kluges" und äußert hilfreiches Buch zur Begriffsklärung beim Thema Völkermord, meint Rezensent Wolfgang Kruse. Boris Barth befrage die historischen Massenmorde und Völkermorde zwar nach einem sehr eng gefassten Definitionsschema, aber ein solch eng gefasster Genozid-Begriff habe den Vorteil "begrifflicher Klarheit". Auf der anderen Seite, so der Rezensent, befreie eine solche Definition Stalins Massenmorde oder die "killing fields" der Roten Khmer vom Genozid-Vorwurf. Der Autor nehme den Holocaust zum Bezugspunkt für seine Definition, wonach erst der "umfassende Vernichtungswille", nicht aber gewalttätige Vertreibung das entscheidende Kriterium sei. Eindeutig in diesem Sinne seien für den Autor die Morde an den Armeniern 1915 und der Tutsi 1994 in Ruanda. Der Rezensent hebt hervor, dass es dem Autor nicht um eine moralische Relativierung geht, sondern allein um begriffliche Abgrenzung. Auch lasse er in seinen informativen Einführungen zu den historischen Beispielen alle "Deutungsmöglichkeiten" zu Wort kommen und verbinde seine eigene Interpretation "souverän" mit den fachwissenschaftlichen Diskussionen. So habe der Leser stets ein "hohes Maß an autonomer Urteilsmöglichkeit".

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Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren