R. R., eine junge Frau Mitte der sechziger Jahre in Westberlin, wird eines Tages von Stimmen heimgesucht, die sie aus der Bahn werfen. Wie in einer Art Geisteskrankheit hört sie "ihre Götter" Tag und Nacht sprechen, hört sie streiten, räsonieren, lachen; sie kann sich nicht vor ihnen retten. Dabei gerät sie in eine kaum erträgliche Isolation. In einem Gespräch zwischen John Lennon und Emily Bronte, versteht sie, geht es um Einsamkeit und wie man sie aushält, in dem zwischen Virginia Woolf und Robert Walser um Wahnsinn und dessen Simulation, in einem Monolog von Dylan Thomas um die Unfruchtbarkeit der Dichter in neuerer Zeit (so dass die Geschichten sich von selbst werden fortpflanzen müssen). R. R. begreift, dass es nicht darauf ankommt, sich von den Göttern "zerstreuen und unterhalten zu lassen, sondern sie weiterzudenken".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.07.2000
Im letzten Absatz seiner Rezension verrät Ludwig Harig, wie es zu dem Titel des Reinshagen-Buchs gekommen ist: eine Anspielung auf Lukians "Göttergespräche", die von der Autorin in verwandelter Form weitergeführt würden. Auch Reinshagen hält Zwiesprache mit den Göttern, sagt Harich, nämlich den selbsternannten Göttern und Idolen der 68er Generation, die sich teilweise als falsche Götter erwiesen haben. Die dialogische Götterspeisung ist Teil des Genesungsprozesses einer jungen Frau, die wieder zu sich und aus dem Westberliner Intellektuellenmilieu der 70er Jahre heraus finden muss. Der Rezensent schwärmt von der eleganten und sinnlichen Sprache der Autorin, der es in diesem Roman gelungen sei, "eine Poetik des Redens über das Reden" zu kreieren.
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