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Klappentext
Ein Mann steht vor zweitausend Menschen auf, ruft 'Ich grüße meine Kameraden von der SS!', setzt eine Flasche Zyankali an die Lippen und trinkt ? Stuttgart, Evangelischer Kirchentag 1969. 'Der Tod trat auf dem Weg ins Robert-Bosch-Krankenhaus ein', notiert Günter Grass, der diesen Manfred Augst in 'Aus dem Tagebuch einer Schnecke' porträtiert hat. 35 Jahre später stößt Manfred Augsts Tochter auf die Abschiedsbriefe, die Manuskripte und die Feldpostbriefe ihres Vaters. Eine erschütternde Spurensuche beginnt, bei der Ute Scheub mehr findet als nur ein einzelnes Schicksal. Wie viele jener Männergeneration, die Nachkriegsdeutschland geprägt hat, konnte Manfred Augst nicht über seine Erlebnisse im Krieg reden, schon gar nicht mit seinen Kindern, denen er nur ein ferner, liebloser Vater sein konnte. 'Er ist ? buchstäblich ? an seinem Schweigen erstickt.'
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.12.2006
Elke Nicolini nötigt diese Auseinandersetzung Ute Scheubs mit ihrem 1969 durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Vater Manfred Augst, der ein überzeugter Nazi gewesen war, einige Bewunderung ab. Der Autorin gelinge es, sich analytisch mit der Persönlichkeit ihres Vaters auseinander zu setzen und dabei dennoch empathischen Einblick in dessen "seelische Verkümmerung" zu gewinnen. Trotzdem, so Nicolini verständnisvoll, bleibe bei den Nachforschungen der Autorin immer die Angst spürbar, sie könnte auf grässliche Kriegsverbrechen stoßen. Das Buch, das den Lesern Einblick in die Persönlichkeit eines unbelehrbaren SS-Angehörigen bietet, hält Nicolini für klug und einfühlsam.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.04.2006
"Wer möchte schon gern mehr herausfinden über einen Mann, der im Selbstmord die Kameraden von der SS grüßt und der eigene Vater war", zeigt Rezensentin Gabriele von Arnim ihr Mitgefühl für die Autorin, die sich dieser Herausforderung gestellt hat. Ute Scheubs Vater hat sich 1969 auf dem Kirchentag in Stuttgart nach einer "Suada voller Wortschutt" öffentlich das Leben genommen, Günter Grass hat den Vorfall in seinem "Tagebuch einer Schnecke" beschrieben. Da war Ute Scheub dreizehn Jahre alt und nicht besonders traurig über den Tod dieses "freudlosen Peinigers". Als ausgewiesene Journalistin hat sie sich nun einer Spurensuche nach dem eigenen Nazi-Vater gewachsen gefühlt. Rezensentin Arnim folgt ihr mit großem Interesse, kluge Fragen sieht sie von Scheub gestellt, doch gänzlich gelungen findet sie das Buch nicht. Ein wenig fühlt sie sich überschüttet von der "Seelennot der Autorin", beklemmender wäre das Buch wohl geworden, wenn es in etwas kühlerem Geist geschrieben worden wäre. Dennoch ist es für die Rezensentin ein wichtiges Buch: "Gut, dass Ute Scheub es geschrieben hat."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.04.2006
Als "beeindruckend” beschreibt Dorion Weickmann die Art und Weise, wie sich die Autorin ihrer schrecklichen Familiengeschichte gestellt habe. Im Jahr 1969 hatte der Vater sich als bekennender Nazi theatralisch das Leben genommen. Gewissermaßen als Opfer einer ignoranten Zeit im allgemeinen und einer ignoranten Familie im besonderen. Erst dreißig Jahre später habe die Autorin auf dem Dachboden einen Karton mit Manuskripten und 14 Abschiedsbriefen gefunden, die es ihr ermöglichten, das vorliegende Buch als Abschiedsbuch vom Vater zu schreiben. Der depressive und monomanische Vater, referiert Dorion Weickman, habe es als SS-Angehöriger bis in Görings Wachbataillon geschafft und wollte es noch bis zum "menschlichen Zuchtwart” bringen, wenn da nicht der verlorene Krieg gewesen wäre. Den "miserablen Vater” könne die Autorin noch irgendwie verzeihen, nicht aber, dass der Vater, den Günter Grass 1972 porträtiert hat, niemals "auch nur ein einziges Wort des Mitgefühls” für die NS-Opfer geäußert habe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2006
Es ist eine schreckliche Geschichte, die Ute Scheub von ihrem Vater, dem Apotheker Manfred Augst, zu erzählen hat: In jungen Jahren war er ein überzeugter Nazi, SS-Mann und Wehrmachtssoldat. Eine große Karriere war ihm nicht beschieden, vielleicht, weil er selbst den Nazis als ideologisch zu verbohrt erschien, wie Rezensentin Elke Buhr berichtet: Als "Rassenkundler" hatte er sich sogar dafür beworben, "Zuchtwart" beim Reichsernährungsministerium zu werden, ein Posten, den es gar nicht gab. Seine Entnazifizierung klappte auch nur auf dem Papier, Scheub schildert ihn als durch und durch harten, lieblosen und verstockten Mann. Als Scheub dreizehn Jahre alt war, setzt er seinem Leben mit einem Fanal ein Ende: Auf dem Stuttgarter Kirchentag 1969 grüßte er öffentlich die "Kameraden von der SS" und schluckte Zyankali. In vielen Details beschreibt Scheub ihre Erkundungen nach dem faschistischen Vater, sie reibt sich an ihm und hadert. Und manchmal ist es der Rezensentin fast schon ein wenig zu viel geworden. So genau wollte sie es nicht immer wissen. Aber wenn sich Scheub der "Kontinuität der braunen Seilschaften" widmet, dann ist Buhr wieder ganz bei der Sache.
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