Herausgegeben von Barbara Heinze und Peter Dehmel. Nicht, wie bei Fontane beschrieben, grau wie die Müllertiere, sondern bequem im Auto, mit drei Koffern, einen Anzug am Bügel fährt Franz Fühmann 1967 nach Neuruppin. Um einer Auftragsarbeit nachzukommen. Soll er doch für den Aufbau-Verlag Fontanes Wanderungen durch die Mark nachvollziehen. Wobei ausdrücklich gewünscht wird, den Wandel seit Gründung der DDR herauszustellen. Der Text jedoch wird nicht publiziert. Denn der Fühmann der späten sechziger Jahre ist keineswegs mehr der systemtreue Schriftsteller, dem ein letztlich staatskonformes Werk gelingen kann. Sein "Neuruppiner Tagebuch" verschwindet folglich erst einmal in den Schubladen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2006
Überaus angetan zeigt sich Rezensent Frank Pergande von Franz Fühmanns "Ruppiner Tagebuch", das Barbara Heinze und Peter Dehmel herausgegeben haben. Ausführlich informiert er über die Entstehung des Werks: Danach sollte Fühmann 1967/68 für den Berliner Aufbau-Verlag die Wanderungen Theodor Fontanes nachvollziehen, um darüber zu schreiben, wie es ein Jahrhundert nach Fontane in der Mark Brandenburg unter sozialistischen Verhältnissen aussieht. Also bereiste Fühmann Neuruppin und schrieb tapfer Tagebuch, auch wenn ihn der Auftrag zunehmend anödete, bis er schließlich aufgab und das Material im Archiv verschwand. Umso erfreuter ist Pergande, dass Barbara Heinze und Peter Dehmel das Material doch noch zu Tage gefördert und daraus ein schön ausgestattes Buch gemacht haben. Besonders gefallen haben Pergande die "köstlichen Pointen", die sich Führmann selbst zur Aufmunterung setzt. Dass seinerzeit kein Buch aus den Aufzeichnungen wurde, hat nach Ansicht Pergandes auch seine gute Seite, schließlich wäre das Buch in der DDR "niemals so ehrlich, lakonisch, tragikomisch geworden".
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