Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Jean-Philippe Toussaint

Der Fotoapparat

Roman

Cover: Der Fotoapparat

Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2005
ISBN-10 3627001281
ISBN-13 9783627001285
Gebunden, 120 Seiten, 15,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Französischen von Joachim Unseld. Die Helden Jean-Philippe Toussaints sind aus besonderem Holz geschnitzt, auch der namenlose Ich-Erzähler seines dritten Romans "Der Fotoapparat". Der nämlich faßt eines Tages in seinem "ansonsten ruhigen Leben" den Entschluß, den Führerschein zu machen wie wir später erfahren, bereits zum zweiten Mal , und begibt sich deshalb zu einer Fahrschule in seinem Pariser Quartier. Doch schon im Vorfeld geraten seine ebenso zögerlichen wie bestimmten Bemühungen um die Zusammenstellung der erforderlichen Unterlagen und vor allem: die Beschaffung von Passfotos ins Stocken und verlieren sich schließlich in einem Strudel von Ereignissen. Auf der Suche nach einem Gasflaschendepot, nach Linderung von Fußbeschwerden, nach Süßigkeiten für Pascale, nach dem Klassenzimmer von Klein-Pierre wird der Leser in eines jener abscheulichen Neubauviertel der Seine-Metropole entführt, nach Mailand und London, um mitten in stockfinsterer Nacht an einer gottverlassenen Straßenkreuzung in der Nähe von Orleans zu enden "am Leben!", zum Glück. Der Antrieb zu dieser Odyssee ist, wie könnte es auch anders sein: die Liebe. Wir ahnen es bereits früh, unser sympathisch-konzilianter junger Mann spürt es erst später, als dieser "grippale Zustand" schon ausgebrochen ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.02.2006

Fasziniert zeigt sich Rezensent Nico Bleutge von diesem Roman Jean-Philippe Toussaints. Er würdigt den belgischen Schriftsteller als einen Schöpfer "feiner Literatur", der der schweifenden Bewegung des Denkens solange nachgehe, bis er Denken und Schreiben fast zur Deckung gebracht habe. "Wie er das auch noch mit einer Liebesgeschichte verknüpft", urteilt Bleutge über den Roman, in dem der Ich-Erzähler in der Fahrschule eine Frau kennenlernt, "ist eine Kunst für sich." Als kennzeichnend für Toussaints Schreiben sieht er das Ineinanderübergehen von Gegensätzen wie Sichtbarkeit und Verschwinden, Leben und Tod. Auch der spezielle Stil des Autors hat es ihm angetan, etwa seine "weitläufig mäandernden Sätze" oder die "ironischen Schleifen". So gelinge es Toussaint, "anschauliche Details und Begriff, Erzählung und Theorie zu verbinden, ohne in einer Moral zu enden."

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2006

Joseph Hanimann gibt sich als langjähriger Liebhaber von Jean-Philippe Toussaints Romanen zu erkennen, die er seit Toussaints Debüt "Das Badezimmer" wegen ihrer "minimalistischen Erzählform" und "schrillen Absonderlichkeit" schätzt. Der Roman "Fotoapparat" stammt bereits aus dem Jahr 1989, doch hat ihn Toussaints Verleger Joachim Unseld neu übersetzt, nach Hanimanns Meinung "kongenial". Die Handlung entwickele sich weniger aus dem Innenleben der Figuren, wirbt der Rezensent für das Werk, sondern vielmehr aus einer "komplexen Gegenstandstopografie", sei es aus einer Türglockenmechanik, einer Schwiele zwischen den Zehen oder einem aus dem neuen Pullover herausbaumelnden Preisschild. Unselds neue Übersetzung zeichnet sich in den Augen des Rezensenten dadurch aus, dass sie dem Autor in allen Nuancen folgt, der "mathematisch trockenen Ausdrucksknappheit", den "schillernden Satzrändern" ebenso wie dem "banalitätsknisternden Alltagston".

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren