Menschenwürde - oft zitiert, aber zu schwach definiert! Ist die Würde nicht eine anmaßende Illusion? Gerade die jüngste Geschichte des 20. Jahrhunderts belegt, dass sie mit der Tinte der Menschenverachtung geschrieben ist. Doch was besagt Menschenwürde überhaupt? Die bislang fast unentdeckte Kultur-, Politik- und Rechtsgeschichte sowie die aktuelle Bedeutung der Menschenwürde werden hier zum ersten Mal ausführlich geschildert. Hartz IV, Großer Lauschangriff, Guantanamo, Luftsicherheitsgesetz - Würdeverletzungen? Die Menschenwürde hat Hochkonjunktur: Inzwischen gilt sie als der höchste Grundwert - bei den Vereinten Nationen, in der Europäischen Union und in unserer Gesellschaft. Heute berufen sich Personen, Politiker und Parteien, Sekten, Weltanschauungen und Religionen, Staaten, Weltorganisationen und Verfassungen auf die Würde: Sie grenzen die Biotechnik ein, stecken ethische Ziele ab, fordern Gesetze und verwerfen Staatssysteme im Namen der Würde. Doch wurde die jüngste Geschichte mit der Tinte der Menschenverachtung geschrieben: Die Weltkriege, der Holocaust und die Diktaturen des 20. Jahrhunderts sprechen die Sprache von Terror und Tod. Die Geschichte der Würde war und ist eine anmaßende Illusion. Menschen sind verletzlich, schutzbedürftig und sterblich. Gerade deshalb können sie auf Ehr- und Schamgefühl ebenso wenig verzichten wie auf Selbstachtung. Die Menschenwürde ist uns nicht angeboren. Wir müssen erst lernen, uns gegenseitig zu achten, damit jeder seine Würde entfalten kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.12.2005
Enttäuscht zeigt sich Andreas Dorschel von diesem Buch, wird es seinem Titel "Illusion Menschenwürde. Aufstieg und Fall eines Grundwerts" doch keineswegs gerecht. Hier geht es seines Erachtens nicht dramatisch zu, wie der Titel suggeriert, sondern betulich. Den Autor Franz Josef Wetz stellt Dorschel entsprechend süffisant als "Professor für Ethik an einer schwäbischen pädagogischen Hochschule" vor. Dass es im Einleitungskapitel eine "biedere Geistesgeschichte nach dem Muster 'Schon Platon? und 'Wie Schiller ist Goethe der Auffassung?" gibt, überrascht Dorschel da nicht weiter. Überhaupt gibt er sich keine besondere Mühe zu verbergen, dass er das ganze Buch nicht sonderlich ernst nehmen kann, und es bestenfalls für naiv hält. "Schaut philosophische Aufklärung so aus", resümiert er, "ist man mit einem philosophisch unaufgeklärten Vorurteil namens Menschenwürde einstweilen besser dran."
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