Mit 60 ganzseitigen Illustrationen von GustaveDore und einem Begleitheft von Anja Grebe. Die 'Dore-Bibel' ist die bekannteste Bibelausgabe des 19. Jahrhunderts und bis heute die populärste Bilderbibel weltweit. Nach dem von Dore illustrierten Alten Testament liegt nun endlich auch eine Ausgabe des Neuen Testaments in der ursprünglichen Folioausgabe wieder vor. Dores Stiche faszinieren nicht nur durch ihre Erzählfreude, ihre realistische Darstellung und dramatische Zuspitzung, sondern vor allem durch effektvolle Hell-Dunkel-Wirkungen. Sie haben die religiösen Vorstellungen von Generationen geprägt. Die Abbildungen zum Neuen Testament rücken effektvoll das Leben und Wirken Jesu in den Mittelpunkt des Geschehens. Sie markieren einen Meilenstein der Buchillustration. Erstmals 1866 in französischer Ausgabe erschienen, gab es die 'Dore-Bibel' innerhalb kürzester Zeit in Pracht- und Volksausgaben in allen europäischen Sprachen. Die Beliebtheit der Holzstiche überwand sämtliche konfessionellen Hürden, so dass die Bilder bald katholische, reformierte, russisch-orthodoxe, anglikanische, methodistische, baptistische und freikirchliche Bibelausgaben schmückten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2005
Zum Glück gebe es ja noch die Apostelgeschichte, die Apokalypse und das Jüngste Gericht im Neuen Testament, bildnerisch gesehen, meint Rezensent Tilman Spreckelsen erleichtert, denn sonst wären Gustave Dores Illustrationen hie und da bedroht, die Kunst auf dem Altar der Frohen Botschaft zu opfern. Im Gegensatz zu Dores Darstellungen des Alten Testaments voller "Naturkatastrophen, Mord und Totschlag", die ein Jahr zuvor erschienen sind, präsentiert Dore aus Sicht des Rezensenten hier einen "mild leuchtenden Heiland" und doch einigermaßen "verhalten" erzählte Gleichnisse. Der Künstler lege sich dabei zumeist auf ein "klares Zentrum" fest, berichtet der Rezensent, und lasse die "Peripherie ins Ungefähre gleiten". So beispielhaft in der Begegnung Jesu mit den Kindern nach Markus 10, 13. An Dores Lazarusdarstellung wiederum findet der Rezensent bemerkenswert, wie Dore die himmlische Umkehrungsrevanche von Arm und Reich ausspare und stattdessen eine irdische Ausgleichsoption anbiete. Von einer Seite des Bildes nähere sich dem Lazarus ein Domestike des Reichen mit einer dampfenden Suppenschale in der Hand. Überhaupt lägen dem Künstler "das Leid der Sünder" ein wenig näher als "der Glanz der Engel". Und das sei doch, schließt der Rezensent versöhnlich, "beruhigend menschlich".
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