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Klappentext
In der Familie Katrin Himmlers wurde über die Verbrechen Heinrich Himmlers offen gesprochen. Den Erzählungen nach galt ihr Großonkel als der "ungeratene" Außenseiter eines humanistisch gebildeten Elternhauses, seine Brüder Gebhard und Ernst hingegen hätten mit der Politik des NS-Regimes nicht viel zu tun gehabt. Als sie den Spuren ihres seit 1945 vermissten Großvaters Ernst nachgeht, stößt Katrin Himmler auf eine viel tiefere Verstrickung von Heinrichs Brüdern. Als frühe Anhänger der Partei profitierten die beiden nicht nur von den neuen Verhältnissen nach 1933, sondern unterstützten mit ihrer Tätigkeit im Reichserziehungsministerium und im Reichsrundfunk engagiert das NS-Regime. Noch inmitten zerbombter Städte wollten die Brüder gemeinsam mit Heinrich Zukunftspläne "für die nächsten zwanzig Jahre" schmieden. Katrin Himmler erzählt die Geschichte einer Familie, in der es kein Mitleid mit den Verfolgten, sondern Einverständnis mit den politischen Verhältnissen gab - bei den Ehefrauen, den Freunden, dem Schwager und bei Heinrichs Geliebter Hedwig Potthast. In ihrer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kann die Autorin auf zahlreiche unveröffentlichte Briefe und persönliche Dokumente aus den Familiennachlässen zurückgreifen und schließt damit auch Lücken in der bisherigen historischen Forschung.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.02.2006
Von diesem Buch, in dem Katrin Himmler der Geschichte ihres Großvaters Ernst Himmler und seiner beiden Brüder Heinrich und Gebhard nachforscht, ist Alexander Jürgs beeindruckt. Entgegen der in der Familie stets aufrechterhaltenen Überzeugung von den "unpolitischen" Brüdern des Massenmörders Heinrich Himmler, kann die Autorin bei ihren Recherchen nachweisen, dass alle Geschwister Himmler in einem "ideologischen Einverständnis" standen, die sich in der begeisterten Anhängerschaft zu Adolf Hitler ausdrückte, so der Rezensent. Jürgs hat Verständnis dafür, dass Kathrin Himmler zunächst durchaus "familiäre Sympathie" für ihren Großvater hegt, betont jedoch, dass für die Autorin mit einem "ideologiedurchtränkten" Brief von Ernst Himmler, womit er einen gewissen Major Schmidt aus der beruflichen Stellung jagt und so sein "Todesurteil" unterschreibt, jede "Empathie" endet. Jürgs sieht als die größte Stärke dieser Familiengeschichte die Akribie und den "scharfen Blick" für Details, mit der die Autorin die Quellen auswertet, und er preist das Buch als ein "bemerkenswert lebendiges und neues Bild" der Himmler-Familie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2005
Katrin Himmlers Biografie der beiden Brüder des Reichsführers-SS Heinrich Himmler hat Rezensent Klaus A. Lankheit überzeugt. Die Politologin verwebe in ihrer "gelungenen Darstellung" die Beschreibung ihrer eigenen Spurensuche mit der von ihr rekonstruierten Familienbiografie. Den Ausgangspunkt der Arbeit sieht Lankheit in der Legendenbildung innerhalb der Familie, die die Autorin kritisch unter die Lupe nimmt. Sie könne zeigen, dass Heinrichs Brüder Gebhard und Ernst aktive Anhänger des Nationalsozialismus als auch Unterstützer und Profiteure des Regimes waren. Vom Ausmaß der Verbrechen die ihr Bruder beging, seien sie aber weit entfernt gewesen. Katrin Himmler runde ihre Darstellung mit der Einbeziehung weiterer Verwandter und Bekannter der Brüder Himmler ab. Sie biete zudem einen Blick auf das Beziehungsgeflecht innerhalb der Nazi-Eliten.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2005
Die Politikwissenschaftlerin Katrin Himmler ist die Großnichte von Heinrich Himmler. In ihrer Familiengeschichte geht es um diesen, vor allem aber seine Brüder Gebhard und Ernst - den Großvater der Autorin. Im Verlauf der durch die Öffnung amerikanischer Archive erst in den neunziger Jahre möglich gewordenen Nachforschungen stellt sich heraus, dass von der familiengeschichtlich kolportierten Harmlosigkeit der Brüder Heinrichs so keineswegs die Rede sein kann. Nicht nur war man durchweg stolz auf den Nazi-Karrieristen Himmler, aus dem vor seiner politischen Karriere nichts Rechtes werden wollte - frühzeitig waren auch Ernst und Gebhard Anhänger der Bewegung, wenngleich Gebhard sein Eintrittsdatum in die NSDAP erst nachträglich vorverlegte. Wie bruchlos Karrieren nach dem Ende des Dritten Reiches möglich waren, zeigt die Autorin zudem am Schicksal des Himmler-Schwagers Richard Wendler, der als Kriegs-Gouverneur von Krakau und Lublin nach dem Krieg von Deportationen nichts gewusst haben wollte und prompt seine Zulassung als Rechtsanwalt zurückerhielt. Die Rezensentin Tanja Dückers zeigt sich beeindruckt von dieser Recherche in eigener Familien-Sache und bezeichnet das Buch als "wichtig", da es eine schlagende kollektive Gegengeschichte zur oft immer noch üblichen "Singularisierung und Dämonisierung von NS-Tätern" erzählt.
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