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Aus dem Archiv
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Klappentext
Herausgegeben von Friedrich Pfäfflin. Der vierzigjährige Karl Kraus, Herausgeber der satirischen Zeitschrift "Die Fackel", lernt am 8. September 1913 im Wiener Cafe Imperial die Baronesse Sidonie Nadherny kennen. Das Zusammentreffen verändert beider Leben. Er erwägt, ihr zuliebe seine Zeitschrift aufzugeben. Sie kommt von der Verpflichtung gegenüber ihrer Familie nicht los, eine standesgemäße Heirat einzugehen. Die "Liebestodesangst", die Karl Kraus erlebt, reicht über sein Grab hinaus. Der "Neue Karl Kraus", den Elias Canetti nach Erscheinen dieser Briefe vor dreißig Jahren in einem Essay, der auch in dieser Ausgabe abgedruckt ist, enthusiastisch feierte, war für seine Leser eine Entdeckung; für jene, die Kraus Werk nicht kannten, war es die Einladung, sich mit dem Autor der "Fackel" und der "Letzten Tage der Menschheit" endlich bekannt zu machen. Die neue Ausgabe bietet neben den 1065 Briefen, Karten und Telegrammen von Karl Kraus und über 40 faksimilierten Briefbeilagen erstmals auch 40 Mitteilungen von Sidonie Nadhernys Hand.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.02.2006
Die Veröffentlichung 1974 der Briefe von Karl Kraus an Sidonie Nadhern bedeutete die Entdeckung "eines ganz anderen Karl Kraus", nämlich eines "zartfühlenden, verwundbaren, in seiner Liebe fast wehrlosen Menschen", erinnert die Rezensentin Alena Wagnerova. Nun habe Friedrich Pfäfflin, der bereits an der Erstveröffentlichung mitgewirkt hatte, eine Neuausgabe besagter (zwischen 1913 und 1936 verfassten) Briefe vorgelegt, die sich von der voherigen vor allem in der Gewichtung der Personen unterscheide. Zwar seien - abgesehen von den im Kommentarband zitierten Tagebucheinträgen - nur vierzig kurze Mitteilungen von Sidonie an Kraus abgedruckt (ihre übrigen Briefe wurden bislang nicht gefunden), doch jene, die Kraus seine "Braut vor Gott" nannte, sei in seinen Briefen erstaunlicherweise als wirkliche Präsenz zu spüren, als "das andere Subjekt der Korrespondenz" und damit weit mehr als nur klassische, passive Figur der Adressatin. Dieses Gefühl der greifbaren Anwesenheit entstehe nicht zuletzt dadurch, dass der Herausgeber die Anreden in den Briefen gestrichen habe, so dass der Leser in einen "permanent geführten Dialog" eintauchen könne, einen synergischen Dialog zwischen zwei freien Menschen, für die beides, Nähe und Distanz, lebenswichtig war.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.02.2006
Friedrich Rothe entdeckt ganz neue Seiten an Sidonie Nadherny, wenn er die Briefe von Karl Kraus an seine Geliebte liest. Die Neuausgabe von Friedrich Pfäfflin berichtige das Urteil von Elias Canetti, der in der Siebzigern in der Baronin eine "passive" und "intentionslose" Muse sah. Nein, meint der Rezensent, nun werde durch ihre Tagebucheinträge deutlich, wie weit ihr Horizont über den einer "kultivierten Schlossbesitzerin in der böhmischen Provinz" hinausreicht. In der neuen Ausgabe sind auch die "Beilagen" berücksichtigt, mit denen Karl Kraus seine Briefe versah, informiert Rothe. Die Prospekte, Anzeigen und Zeitungsauschnitte gäben dem Werk eine "zeitgeschichtliche Dimension", freut sich Rothe, die gut zu Karl Kraus passt. Der Rezensent weist zudem auf den umfangreichen Kommentarband des Herausgebers hin, der "an eine untergegangene Welt europäischen Geistes "erinnern" möchte. Wie der Leser aber damit umgehe, sei ihm überlassen, und wie Rothe das nun alles findet, uns.
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