"Territorium" und "Großstadt" sind die beiden grundlegenden Raumstrukturen der Moderne. Sie beruhen auf Ausschluss- und Einschlussmechanismen und bilden dadurch subtile Ordnungselemente in Wirtschaft und Politik. In unserer Gegenwart sind diese "Bedingungen der Möglichkeit" von Gesellschaft und Staat vielfach überlagert und in ihrem Potenzial unterschätzt. Die zivilisations- und institutionentheoretischen Studien dieses Buches versuchen eine räumliche Rekonstruktion der klassischen Moderne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.11.2005
Durchaus aufschlussreich findet Robert Kaltenbrunner diese Studie Gerd Helds, die mit "überraschenden Reflexionen" darüber aufwartet, wie sich Leben und Raum zueinander verhalten. Der Autor wolle zeigen, dass die Offenheit und strategische Reichweite einer Gesellschaft wesentlich von der Art und Weise ihrer räumlichen Strukturierung bestimmt werde. Ordnungsprobleme eines Staatswesens und einer Volkswirtschaft wiesen eine Verknüpfung mit dem Raum auf - eine für Kaltenbrunner plausible Einsicht, die - abgesehen von der Frage der Verkehrsentwicklung - heute weithin ignoriert werde. Über diese Probleme hinaus gehe es dem Autor um Fragen wie: Worin besteht heute Identität? Ist die Großstadt womöglich zum überall gleichen, uniform ausgestatteten Transitraum, zum Nicht-Ort einer Übermoderne geworden? Kaltenbrunner charakterisiert Helds Studie als "soziologisch-raumwissenschaftlichen Großversuch". Ein wenig scheint er unschlüssig, was er von der Eigenart des Autors zu halten hat, "auf fast unorthodoxe Weise zwischen intellektueller Imagination, kulturhistorisch oft entlegenen Funden und philosophischer Spekulation zu flottieren". Letztlich ist es aber genau diese Art, die für ihn den Erkenntnisgewinn fördert.
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