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Vladimir Jankelevitch
Der Tod
Klappentext
Aus dem Französischen von Brigitta Restorff. Mit einem Vorwort von Thomas Kapielski. Warum ist der Tod eines Menschen immer eine Art Skandal? Warum ruft dieses ganz normale Ereignis bei jenen, die dabei Zeuge sind, ebensoviel Neugier wie Grauen hervor? Wie kommt es, dass man sich nicht längst an dieses natürliche und doch stets zufällige Geschehen gewöhnt hat? Warum sind wir jedesmal, wenn ein Lebender stirbt, so erstaunt, als geschehe dies zum ersten Mal? Das sind die Fragen, die sich der große französische Philosoph Vladimir Jankelevitch in seinem nun endlich auf deutsch erscheinenden philosophischen Hauptwerk stellt, das zugleich die Leitlinien seines gesamten Oeuvre aufnimmt und bündelt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.02.2006
Glaubt man dem Rezensenten Uwe Justus Wenzel ist Vladimir Jankelevitchs nach vierzig Jahren nun auf deutsch vorliegendes Werk "eine der eindrücklichsten Meditationen des Todes in der Philosophie". Jankelevitch, so der Rezensent, reflektiert nicht nur den Tod selbst, sondern legt seinen Überlegungen auch die gleichsam höher geordnete Frage zugrunde, ob ein Wissen über den Tod einen tatsächlichen Erkenntnisgewinn bedeuten kann. In der Tat sei das Wissen über den Tod nur im Augenblick des eintretenden Todes - dem "fast nichts" - zu erlangen und somit nur im eingetretenen Tod - dem überhaupt nichts - zu gebrauchen. Demnach lehne Jankelevitch im gleichen Atemzug die Philosophie als "lebenslanges Sterbenlernen" und das Leben als "philosophisches Koma" ab, untersuche dann, "wie sich Bewusstsein und Tod auch dann noch wechselseitig ausschließen, wenn sie einander so nahe wie irgend möglich kommen", um schließlich zu erklären, dass der eigentliche Gegenstand einer Reflexion über den Tod das Leben ist. Im Hinblick auf das Leben funktioniere der Tod in der Tat wie ein "Organon-Obstaculum" ("Werkzeug" und "Hindernis" zugleich) - insofern etwa, als der Tod als Zustand der Formlosigkeit "dem Leben Form aufzwinge". Zwar münden einige von Jankelevitchs verwundenen Gedankengängen dann doch in banal anmutende Sentenzen, doch die lassen sich laut Rezensent schlecht vermeiden, wenn es um den Tod geht. Aufgewogen werde diese mitunter fragwürdige Schlichtheit allemal durch den "Witz" und den "schwarzen Humor", die Jankelevitchs Absage an den Tod als "erhabenes Geheimnis" durchziehen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.02.2006
Hocherfreut zeigt sich Rezensent Sascha Michel darüber, dass Vladimir Jankelevitchs Hauptwerk "Der Tod" nach fast dreißig Jahren endlich in deutscher Übersetzung vorliegt. Er würdigt den 1985 fast vergessen in Paris verstorbenen Philosophen als Solitär, der sich keiner Hauptströmung der neueren Philosophie zuordnen lässt, und charakterisiert ihn als einen "bewusst antisystematischen Denker", der seinen Gegenstand eher essayistisch umkreise, als ihn auf einen sicheren Begriff zu bringen. Wie Michel berichtet, wendet sich Jankelevitch scharf gegen jede Beschönigung des Todes, gegen die Annahmen beruhigender Kontinuitäten, und betont immer wieder dessen Sinnlosigkeit. Trotzdem wertet Michel das Werk nicht als ein "düsteres oder pessimistisches" Buch, findet er doch als Kehrseite der Bestürzung über den Tod das Staunen und die Bejahung des Lebens. Insgesamt hat Michel das Buch, dessen Übersetzung er als "vorzüglich" lobt, überaus fasziniert, auch oder gerade weil es keine leichte Kost bietet. "Jede Zeile dieses Buches knirscht unverdaulich zwischen den Zähnen", kommentiert der Rezensent zusammenfassend, "in seiner philosophischen Literarizität ist es geradezu höllisch scharf von Erkenntnis; und bei aller Bitterkeit ist es von einem humanen Staunenkönnen über unsere Welt erfüllt, das einem in der Tat den Schlaf rauben kann".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005
Ein "Jahrhundertbuch" hat Thomas Meyer hier anzuzeigen. Vladimir Jankelevitchs Buch über den Tod verfällt nicht der "Todestrunkenheit" seiner europäischen Kollegen, auch wenn der Rezensent von der Lektüre ein wenig benommen zurückbleibt, noch setzt es irgendwelche Hoffnungen auf die ausgleichende Kraft der Geburt. Jankelevitch untersuche den "Skandal" des Todes, der trotz aller Anstrengungen unbegreiflich bleibt. Dazu überschreitet er die Grenzen der eigenen Disziplin und nimmt auch Literatur und Musik zu Hilfe, um sich dem Tod in "genau kreisenden Bewegungen" anzunähern. Der Tod ist bei Jankelevitch eine "Ordnungsmacht", die Vergangenheit und Zukunft des Menschen strukturiert. Der unumstößlichen Wahrheit des Lebensendes setzt der Philosoph ein "Vielleicht" entgegen, das gleichsam eine letzte Hoffnung auf die schöpferischen Kräfte des Menschen verdeutlicht. Nun wünscht sich der zufriedene Rezensent nur noch, dass die Übersetzungstätigkeit weiter anhält und demnächst weitere Werke Jankelevitchs, etwa seine Abhandlung über die "Ironie", übertragen werden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2005
Joseph Hanimann zeigt sich regelrecht begeistert von diesem nun lange nach der Erstveröffentlichung in Frankreich auch in Deutschland erscheinenden Band. Zwar sei es keineswegs so, räumt er sogleich ein, dass man hier eine systematisch tiefgründige und originelle Auseinandersetzung mit dem Thema erwarten dürfe. Vielmehr entpuppe sich das Buch als geradezu barocker "Reigen philosophischer, literarischer, musikalischer Zitate und Anspielungen", der jeden, der sich "scharfe Konzepte, griffige Thesen, knappe Formulierungen" erwartet, notwendig enttäuschen müsse. Als Grundthese des Buches ist wohl eine Auffassung des Todes als "radikal fremde Außeninstanz" auszumachen, die das Leben erst zu dem macht, was es ist, und zwar als "Sein zum Tode". Das klingt nach Heidegger, aber mit diesem wie mit allen anderen deutschen Denkern hat sich Vladimir Jankelevitch programmatisch nicht befasst, erfahren wir. Als Resümee bleibt nur die schiere Freude Hanimmans über die "virtuose Begriffspoesie eines Denkers, der alles verbindet" - und ein Extralob für die Übersetzung durch Brigitta Restorff, die sich als "Wunderwerk an Exaktheit" erweist.
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