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Klappentext
Max Weber erlebte an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert die Rationalisierung aller Lebensbereiche und machte dies zum Thema seines Lebens. Er erforschte, wie sich der Mensch von der Natur entfernte und an ihre Stelle die Systeme der Politik und der Wirtschaft stellte. Nach seiner Heirat mit der Frauenrechtlerin Marianne Weber traf sich in seinem Heidelberger Salon die intellektuelle Elite seiner Zeit. Joachim Radkau verbindet Leben, Werk und Zeit Max Webers zu einem spannenden Panorama.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.12.2005
Als "Glanzleistung mit Grenzen" betrachtet Rezensent Gustav Seibt die lang erwartete, große Biografie über Max Weber, die der Sozial- und Kulturhistoriker Joachim Radkau nun vorgelegt hat. Er würdigt nicht nur die umfassende Übersicht über Webers gedrucktes Werk und das vieler seiner Zeitgenossen, sondern auch die außerordentliche Arbeitsleistung des Autors bei der minutiösen Auswertung des riesigen Nachlassmaterials. Radkaus Darstellung versteht er als "Synthese und Forschung" in einem. Er hebt hervor, dass sie eine "Revolution des Bildes vom Mann Weber" bedeutet, lege der Autor doch mit "unerhörter Aufmerksamkeit" dar, worunter der Begründer der deutschen Soziologie lange litt: Impotenz, Schlaflosigkeit, Angstzustände. Kritisch sieht Seibt in diesem Zusammenhang die "etwas platte" Parallelisierung von erotischer und geistiger Produktivität Webers. Auch scheinen ihm die Proportionen nicht ganz gewahrt, wenn der Autor weit über 100 Seiten erschöpfend über Webers Impotenz und nächtliche Pollutionen informiert, aber den Kapiteln zur "Protestantischen Ethik" und zu "Wirtschaft und Gesellschaft" jeweils nur 35 und 30 Seiten einräumt. Dass Radkau nicht in jedem Fall auf der Höhe der von Weber behandelten Gegenstände sein kann, wiegt für Seibt nicht all zu schwer, zumal er bei ihm immer wieder ganz ausgezeichnete Darstellungen bestimmter Arbeiten Webers vorfindet. Eine "wirkliche Lücke" sieht er allerdings in der Aussparung etlicher institutionengeschichtlicher Umstände.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2005
Eine Biografie Max Webers war nach Ansicht Magnus Schlettes "überfällig". Erfreut nimmt er daher Joachim Radkaus umfangreiches Porträt des Gründervaters der deutschen Soziologie auf - zumal es Maßstäbe setzt. Der Autor präsentiere Webers Werdegang als "fesselnde Lebensgeschichte", die auch seine Epoche vergegenwärtige und seinem Werk zu größerer Tiefenschärfe verhilft. Schlette würdigt Radkaus "beeindruckende Detailkenntnis" und seinen Fleiß bei der Auswertung von Unmengen von Briefen. Den Schlüssel zum Verständnis dieser Persönlichkeit sehe Radkau in der "grundlegenden Dissonanz" zwischen Webers leiblicher Natur und seiner bürgerlichen Existenz, zwischen Impotenz und Liebessehnsucht einerseits und dem Pathos der Distanz, dem Wissenschaftsethos und der moralischer Integrität andererseits. Schlette unterstreicht, dass Radkau mit dem üblichen Bild von Webers Frau Marianne als verhärmter Gattin aufräumt. Insgesamt findet er das Werk mit seinen 1000 Seiten "vielleicht eine Spur zu stofflastig", um es in einem Rutsch von Anfang bis Ende lesen zu können. Aber dank der guten Gliederung und der präzis betitelten Unterabschnitten könne man das Buch auch unter Umgehung der Chronologie mit Gewinn lesen: "Dann fügt sich das Weber-Bild langsam und reizvoll zu einem Puzzle von narrativ geschickt verwobener Quellenarbeit."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005
Hier haben wir es mit der ersten Weber-Biografie zu tun, die diesen Namen verdient, frohlockt der Rezensent Andreas Anter. Den Autor Joachim Radkau kenne man zwar eher aus der Technik- und Medizingeschichte, und sei, was Weber angehe, bislang ein unbeschriebenes Blatt, doch vielleicht habe man es gerade dieser Distanz zu verdanken, dass sein Blick auf den als "Sphinx der Sozialwissenschaften" gehandelten Weber so klar sei (mit Ausnahme seiner stellenweise betrüblichen Unkenntnis der Forschungsliteratur). Radkaus systematische Verknüpfung von "Leben und Werk des Titanen" könne auch Weber-Kennern neue Einsichten liefern, nicht zuletzt weil Radkau auf weitgehend schlecht zugängliches Quellenmaterial wie die Tagebücher Marianne Webers sowie unveröffentlichte Briefwechsel zurückgreifen konnte. Leider, so der Rezensent, kommen im Gegensatz zu Webers familiären und intimen Beziehungen seine freundschaftliche und wissenschaftliche Beziehungen ein wenig zu kurz. Und leider neige der Autor, bei dem Weber, wie Anter es formuliert, "immer auf der Couch liegt", zum Psychologisieren, insofern als jede Wendung in Webers bewegtem intellektuellen Leben "als Reflex intimer oder privater Anlässe" gedeutet werde. Die von Radkau geworfenen Schlaglichter auf Webers Persönlichkeit fügen sich zwar nicht zu einem "konsistenten Bild", aber dies ergibt wohl "ein umso besseres Bild Max Webers", so das insgesamt sehr zufriedene Fazit des Rezensenten.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005
Robert Leicht kann Joachim Radkau seinen Respekt nicht versagen: für den "imponierenden" Anspruch und den breiten Rahmen seiner Biografie, für sein gründliches Quellenstudiums, seine historische Kontextualisierung von Max Webers Leben, die der "Besichtigung eines gesamten Zeitalters" gleichkommt, durchaus auch für seine unterhaltsame Schreibweise. Radkaus These dagegen kann ihn nicht überzeugen. Sie besteht, knapp gesagt, in der Konstruktion eines Kausalzusammenhangs zwischen der erotisch- psychologischen Befindlichkeit und dem Schaffen Webers in zwei klar voneinander geschiedenen biografischen Abschnitten. Zuerst, so könnte man Leichts Zusammenfassung von Radkau noch einmal paraphrasieren, war Weber blockiert und psychotisch und schrieb über protestantische Ethik und strenge Lebensführung; dann war er, dank seiner Affären mit Mina Tobler und Else Jaffe, sexuell befreit und widmete sich "den Erflösungsreligionen, dem Charisma, als ob ihn die Gnade der Erlösung aus den psycho-physischen Verklemmungen dorthin geführt habe". Leicht weist darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Leben und Werk ebenso anders herum gewesen sein könnte - vermutlich aber ohnehin viel komplexer. Außerdem stören ihn die vielen Spekulationen, die als Erkenntnisse ausgegeben werden. Und als das Misstrauen einmal gesät war, stießen dem Rezensenten auch noch andere Dinge auf, beispielsweise Radkaus demonstrative Anti-Haltung zum Mainstream der Max-Weber-Forschung. Fazit: Allerlei Neues zum Leben, wenig Neues zum Werk.
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