Mit seinem 1940 erstmals erschienenen Buch reagierte Koestler auf die von Stalin angeordneten Moskauer "Säuberungsprozesse" 1936 - 1938. "Sonnenfinsternis erzählt die Geschichte des ehemaligen Volkskommissars Rubaschow, der seit der Revolution zu den führenden Persönlichkeiten der kommunistischen Partei der Sowjetunion gehört. Vorbild für die Figur waren Nikolai Bucharin und Karl Radek, die Koestler persönlich kannte, und Leo Trotzki. In einer an Kafkas "Prozess" erinnernden Szene wird er eines Morgens festgenommen. Ihm werden verschwörerische Machenschaften gegen die Partei vorgeworfen. In endlosen Verhören drängt man ihn, ein Geständnis abzulegen..."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.09.2005
Zum hundertsten Geburtstag erscheinen viele der Bücher von Arthur Koestler in neuen Ausgaben, so auch sein berühmtestes: "Sonnenfinsternis". Martin Bauer nimmt das zum Anlass, die Geschichte dieses Romans wie die seines Autors zu erzählen. Er sieht in Koestler die geradezu archetypische Verkörperung der Figur des Renegaten und vollzieht den Werdegang vom assimilierten Juden zum überzeugten Kommunisten zum parapsychologisch angehauchten Mystiker noch einmal nach. Dass die Transzendenz des "ozeanischen Gefühls" an die Stelle einer traumlosen Vernunft treten müsse, das ist schon die Botschaft des Hauptwerks. Der Roman "Sonnenfinsternis" wurde zunächst 1940 ohne große Resonanz veröffentlicht, in Frankreich nach dem Krieg aber trotz der Interventionen der Kommunistischen Partei zum Mega-Besteller. Gerade das "unterkühlte Pathos völliger Pathoslosigkeit" beeindruckt Bauer noch immer an dieser Geschichte eines "Amoklaufes der Vernunft", dem der Protagonist Nicolas Salmanowitsch Rubaschow zum Opfer fällt.
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