Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt. Gut aussehend, höflich und sanftmütig ist er, ein Traum von einem Mann. Alles tut er den Frauen zu Gefallen - und sie lieben ihn. Alle. Warum also Nein sagen? Zu Matilda, die ihn als Knaben verführte; zur hässlichen, dafür um so bemitleidenswerteren Alja; zu Lena, die er heiratet, weil sie ein uneheliches Kind erwartet; zu seiner gehbehinderten Chefin Valerija und zu all den anderen Frauen, die ihn brauchen. Ein Roman über die Liebe mit einem tragikomischen Helden, dem die wahre Liebe fehlt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.02.2006
In den Augen des Rezensenten Werner Jung handelt es sich bei diesem neuen Roman von Ljudmila Ulitzkaja um ein für die russische Autorin typisches Buch. Ihr "Frauenversteher" Schurik und seine zahlreichen Geliebten feiern in "geradezu epikuräischer Ausgelassenheit" ein "fröhliches Zusammensein". Die Gemeinschaft im täglichen Leben dient als Fluchtpunkt vor der spätsowjetischen Gesellschaft, die eine seltsames soziales Vakuum produziert habe. Jung gefällt der intensive, dichte Erzählstil der Autorin der "seine Herkunft aus der traditionellen oralen Form einerseits, dem russischen Realismus des 19. Jahrhunderts andererseits nicht verleugnen" will.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.01.2006
Ganz glücklich wird die Rezensentin Katharina Granzin mit diesem Roman nicht, mit dem die Autorin Ljudmila Ulitzkaja ihr großes schriftstellerisches Projekt - eine umfassende Typologie der russischen Frau - fortsetzt - auch wenn die Hauptfigur diesmal ein Mann ist. Der ist hier allerdings ein völlig irreales "Phantombild". Und was die weiblichen Figuren angeht, stört sich die Rezensentin daran, dass Ulitzkaja ihre Figuren allzu konsequent entzaubert: "Manchmal möchte frau etwas ungehalten werden über die Erzählerin, die so gut über ihre Figuren Bescheid weiß, dass sie ihnen so gar kein Geheimnis mehr lässt." Doch gefällt ihr der von Ganna-Maria Braungardt schön ins Deutsche übertragene ironische Grundton der Geschichte, der auch verhindere, dass man der Autorin Nostalgie gegenüber der guten, alten Breschenew-Zeit vorwerfen könne.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.11.2005
Irgendwann hat Sonja Zekri die Niedlichkeit von Ljudmila Ulitzkajas Prosa nicht mehr ertragen und musste sich Luft machen: Dieses harmlose "Dahinplätschern", schreibt sie, ist "so schwer erträglich wird wie die chinesische Wassertropfenfolter". Ulitzkaja schreibt liebevoll über Alltägliches, rückt kleine Leute ins Rampenlicht? Schön und gut, schimpft Zekri - aber bitte nicht so harmlos! Den skurrilen Leutchen - hier ist es der arme, gute Schurik, der ein Leben lang von Mitleid mit verschmähten, unglückseligen Frauen angetrieben wird - passieren skurrile Dinge, wie das Leben eben so spielt, und dann stehen sie wieder auf, schütteln sich, und es geht weiter. Wie bei Comic-Figuren. Es ist, so Zekri, "eine Duracell- Welt, in der viel passiert, aber richtig ernst, so scheint es, dürfte man nicht mal deren Untergang nehmen". Was sie dann auch nicht gemacht hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2005
Der Held dieses Romans, nein, der Antiheld Schurik ist eine reine "Frauenfantasie", notiert Hannelore Schlaffer. Weil er zwar von einer Geliebten zur anderen taumelt, dabei aber eher zärtlich und mitfühlend ist als sexy. Ihm auf den Fersen folgt die Erzählung, rein und raus auf den Verhältnissen der kleinen Leute und Lebenskünstler, die Ljudmila Ulitzkaja sich ausgedacht hat - ein "Potpourri aus Genreszenen des Armeleutelebens", konstatiert Schlaffer, die es vergnügt gelesen hat und stark an Fellini erinnert wurde, ohne jedoch vollkommen begeistert zu sein. Fazit: "Die Figuren freuen sich des Lebens, die Autorin genießt ihr Erzähltalent, der Leser kostet das Tuttifrutti voller Behagen und stellt erst ganz am Ende fest, dass es leicht überzuckert" war.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2005
Rezensentin Marion Löhndorf mochte diesen Roman, der ein Kaleidoskop verschiedener Biografien - nämlich all der Frauen, die das Leben der Hauptfigur Schurik streifen - schafft. Dieser Mann kann zu keiner Frau nein sagen und führt ein dementsprechend fremdbestimmtes Leben: "Eine Mischung aus Mitleid, Schuldgefühlen und Nachgiebigkeit lässt ihn von einer Beziehungsfalle in die nächste tappen." Die Art und Weise, wie die Autorin diese Strukturen aufbereite, gefällt Löhndorf. Das passiert ohne Schuldzuweisungen, mit Humor, im richtigen Erzähltempo und trotzdem mit großer Präzision: "Ljudmila Ulitzkaja ist eine Meisterin der komischen Entlarvung von Lebenslügen." Ihr gefällt auch der demokratische Ansatz der Autorin, der jeder Figur ausreichend Raum einräumt und sie nicht nur auf ihre Rolle funktionalisiert. Alle betrachtet Ulitzkaja mit dem ihr eigenen freundlichen Spott: "Jede Figur hat ihren großen Auftritt, manche von ihnen einen dramatischen Abgang: Randpersonal gibt es nicht. Damit wird der Roman zu einem Kosmos aus lauter Mini-Biografien, allesamt tragisch und komisch zugleich."
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