Der Verfassungsrechtler und Rechtstheoretiker Hans Kelsen (1881-1973) wird weithin als einer der bedeutendsten, vielleicht sogar als der beherrschende Denker des 20. Jahrhunderts angesehen. Die Beiträge dieses Bandes reflektieren die von Kelsen auf besonders originelle Weise behandelten Themen auf dem neuesten Stand der Forschung. Es geht unter anderem um Normativität und Objektivität im Recht, um die Verfassung als Grundlage des positiven Rechts und um die Letztbegründung des Rechts durch eine "Grundnorm", um die Lehre vom Stufenbau der Rechtsordnung und um seine Argumente für einen Bundesstaat, um den neukantianischen Hintergrund seiner Rechtstheorie, um seine Lehre von der Rechtsgeltung, um die monistische Auffassung von Staatsrecht und Völkerrecht in der Wiener Schule, schließlich auch um seine Auseinandersetzung mit Max Adler und Eugen Ehrlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2005
Als "qualitativ durchweg hochwertig" lobt Michael Pawlik diesen von Stanley L. Paulson und Michael Stolleis herausgegebenen Tagungsband, der die Rechtstheorie des Staatsrechtlers Hans Kelsen diskutiert. Dessen 1930 entwickelte Reine Rechtlehre lehnt jegliche normativen Setzungen der Rechtstheorie ab, die sich stattdessen auf die Analyse der "formalen Beschaffenheit" juristischer Grundbegriffe zu beschränken habe, erklärt uns der Rezensent. Mit diesem positivistischen Ansatz hatte sich Kelsen in Opposition zu der zwei Jahre zuvor von Rudolf Smend entwickelten normativen Rechtstheorie gestellt. Sachkundig diskutiert Pawlik die einzelnen Beiträge, und auch wenn er ihnen nicht im Einzelnen zustimmt und Vorbehalte gegen Kelsens handlungstheoretische unpraktikable Theorie geltend macht, findet er diesen Band doch sehr anregend.
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