Christoph Wilhelm Aigners Blick auf die Welt ist der eines immer wieder neu Sehenden: Der Blick des Staunens und Begreifens. Seine Gedichte ruhen in der Zuneigung zu Natur und Kreatur. Dem Respekt vor der Sprache. Und dem unbestechlichen Gefühl für die tragende Poesie komprimierter Momente, die dem menschlichen Leben Sinn verleihen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.10.2005
Haikus einmal nicht aus Japan. Obwohl, rekapituliert Alexander von Bormann, diese Form der streng strukturierten Kürzestgedichte ja ohnehin seit mehr als hundert Jahren einigen Einfluss auf die westliche Dichtung hat, bietet sie doch Möglichkeiten, Dinge zu umreißen, ohne ihnen ihr Geheimnis zu nehmen. So auch bei Christoph Wilhelm Aigner, bei dem alles auf "Bildfindung, den Einfall, die Pointe" abzielt. Hier eine plötzliche Erkenntnis, dort eine Momentaufnahme. Und es hat dem Rezensenten, obwohl er kein explizites Urteil abgibt, anscheinend gefallen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2005
Mit dem Titel des Buches, berichtet Rezensent Leopold Federmair von seiner Leseerfahrung, verhalte es sich so wie mit den Titeln der Gedichte. Oft stünden sie in einem "widersprüchlichen" oder ergänzenden Spannungsverhältnis zum Text. Die erste Liebe jedenfalls sei in den meisten Gedichten lange passe und das Einhorn "an den Baum gepfählt". Als Kennzeichen von Aigners Lyrik macht der Rezensent insbesondere eine stets überraschende Verbindung von Naturwahrnehmungen mit moralischen Phänomen aus. Ein weiteres Charakteristikum sei das "Gestochene von Aigners poetischer Sprache", die eine Art Entschlackung der Wörter durch den "knappsten" Ausdruck suche. Und wenn beispielsweise die Sonne "nach Sternen schnappt" oder "versponnen auftritt", würde die Natur im "alten Stil" personalisiert. Erneut ein Stilmittel bei Aigner, befindet der Rezensent, das häufig die "verhaltene Ironie" seiner Dichtung transportiere. In den besten Gedichten hat Federmair "funkelnde Konglomerate" erblickt, die dazu einladen, sie ein zweites oder drittes Mal zu lesen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2005
Für Nico Bleutges Geschmack sind die Gedichte des Bandes von Christoph Wilhelm Aigner allzu "glatt". Er vermisst darin die "kleinen Paradoxien", die die "Verstehensarbeit" der Leser erst lohnenswert machen. Aigner scheint aus dem immer gleichen Themenfundus von "Natur, Liebe, Vergänglichkeit" zu schöpfen und das findet der Rezensent - auch wenn er es so deutlich nicht schreibt - ein bisschen langweilig. Wenn er dann doch einmal ins "Stocken gerät" beim Lesen, verfängt sich der Autor allzu schnell in "verwackelten Bildern" oder gar im "Kalauer", was der Rezensent bedauert. Bleutge moniert in seiner bei allen Beanstandungen insgesamt doch erstaunlich sanften Kritik die "zu allgemeine " Sprache des Lyrikers, der, wenn er doch einmal daraus ausbricht, schnell auf hölzerne "Genitivmetaphern" zurückgreife. Das Gedicht "Katze der Verdrängung" etwa sei eigentlich gar nicht so schlecht, meint der Rezensent zum Abschluss versöhnlich und auch ein wenig arrogant. Bis auf den Titel mit seiner Genitivmetapher, versteht sich.
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