Was soll man davon halten, wenn die eigenen Eltern einen Menschen sonderbar finden, nur weil er lange in der Nervenklinik war? Am besten, man vertraut dem eigenen Urteil - zu diesem Schluss kommt jedenfalls Hillevi, als sie Viola kennen lernt. In ihrem humorvollen und unaufgeregten Ton erzählt Marjaleena Lembcke von der Begegnung mit der Fremdheit eines ungewöhnlichen Schicksals.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.06.2005
Marjaleena Lembckes Jugendbuch "Die Fremde im Garten" hat Rezensentin Roswitha Budeus-Budde rundum überzeugt. Die Geschichte über die zwölfjährige Ich-Erzählerin Hillevi, in deren Nachbarschaft eine seltsame Unbekannte einzieht, findet sie richtig packend. Hillevi spürt, dass die Geschichten ihrer Eltern über die Nachbarin voller Lügen sind, und beschließt deshalb selbst die Wahrheit herauszufinden. Budeus-Budde berichtet, dass sich die seit über 30 Jahren in Deutschland lebende finnische Autorin in ihren Erzählungen immer wieder an ihre Kindheit und Jugend im Norden erinnert. Faszinierend findet sie insbesondere die "suggestive emotional-spröde Sprache", mit der Lembcke in ihren Büchern Stimmungen und Gefühle schildert.
Die Autorin stammt aus Finnland, wo auch ihre Bücher spielen, aber sie schreibt auf Deutsch, in der Sprache ihrer Wahlheimat, wo sie seit nunmehr 35 Jahren lebt, stellt Hilde Elisabeth Menzel die Kinderbuchautorin Marjaleena Lembcke vor. Heiterkeit und Wärme sind die Stichworte, die ihr bei Lembckes Büchern einfallen. Meistens fallen diese schmal aus, aber die Autorin brauche auch nur wenig, versichert die Rezensentin, um ihre Figuren und Geschichten zum Leben zu erwecken. Vielleicht weil ihr die Sprache nicht selbstverständlich ist, spekuliert Menzel, besitze Lembcke einen besonderen sprachlichen Feinsinn und Humor. "Die Fremde im Garten" fasst die Geschichte einer zu Ende gehenden Kindheit in Worte, erzählt von der dreizehnjährigen Hillevi, die in die Pubertät hinein wächst und ihren verwunschenen Garten auf dem finnischen Land gegen die Freundschaft mit einer fremden Frau und einem Jungen eintauscht. Lembckes Prosa fließt ganz ruhig und lakonisch daher, schreibt Menzel begeistert, ihre Spannung beziehe die Geschichte allein aus den Beziehungen zwischen den Menschen, über die Lembcke so liebevoll schreibe.
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