Bücher der Saison
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Klappentext
In dieser Biographie zeigt die Berliner Slawistin Nyota Thun Majakowski in einem differenzierten Licht. In ausführlichen Kapiteln führt sie durch sein abenteuerliches Leben und stützt sich dabei auf bisher unerschlossenes Archivmaterial. In ihren Ausführungen korrigiert sie grundlegend das holzschnittartige deutsche Majakowski-Bild, das leider immer noch durch die einseitig verfälschenden Darstellung Hugo Hupperts geprägt ist. Die Biographie erscheint zum 70. Todestag des Dichters (14. April 2000). Als Titan der russischen Poesie stand Wladimir Majakowski (1893-1930) stets im Zentrum literarischer und politischer Ereignisse. Nachdem er sich der Gruppe der Futuristen angeschlossen hatte, avancierte er bald zu ihrem wichtigsten Vertreter. Die Oktoberrevolution fand in ihm ebenfalls ihre mächtigste Stimme. In unermüdlicher Arbeit im Dienst des Sozialismus trat er, nach seinen Worten, "dem eigenen Lied auf die Kehle". Aber trotz zahlreicher Lobeshymnen blieb der Dichter stets ein Außenseiter und war zunehmend gezwungen, sich gegen das Kreuzfeuer der Kritik zu schützen. Die privaten Probleme und die Suche nach einem festen Bezugspunkt im Leben zermürbten ihn schließlich: "Das Boot meiner Liebe am Alltag zerbrach", heißt es in seinem Abschiedsgedicht.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2001
Gegenwärtig gibt es keine umfassendere und lebendiger geschriebene Lebensgeschichte Majakowskis, findet Rezensent Reinhard Lauer. Die Autorin, "Slawistin der ersten Stunde in der Sowjetischen Besatzungszone" und in der Folgezeit "Journalistin, Lektorin und Hochschullehrerin in der DDR", räume den "ganzen Schutt der Verfälschungen" beiseite, um dem Dichter in all seinen Widersprüchen gerecht zu werden. Der Rezensent bescheinigt ihr "sehr genaue Kenntnisse der Quellen und Werke" Majakowskis und vermittelt noch mal ein informatives und auch atmosphärisch dichtes Bild von Majakowski und seiner Zeit. Mit Recht stelle Nyota Thun dessen wahre poetische Themen in den Vordergrund, nicht seine aus heutiger Sicht "oft peinlich und banal anmutenden Agitationsverse". Als großen Mangel empfindet der Rezensent allerdings die (meist von Hugo Huppert stammenden) Übersetzungen der Majakowski-Zitate, die er als "ziemlich ungelenke Inhaltsreproduktionen" bezeichnet. Thun verweise oft auf die "eminente Bedeutung" von Majakowskis Wortkunst. Was aber damit gemeint sei, bleibe durch die schlechte Übersetzung eher "schemenhaft". Und schlimmer: was Majakowski geschrieben habe, klinge im Deutschen häufig wie "unfreiwillige Parodie".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2000
Im Titel klingt bereits an, was Ulrich M. Schmid in seiner Besprechung der Majakowski-Biografie von Nyota Thun herausarbeitet: die politische Naivität eines Dichters, der so mit sich selbst und seinem Schreiben beschäftigt war, dass es ihn blind machte für das, was um ihn herum politisch geschah. Schmid lobt die Biografie der Berliner Slawistin, die erstmals ein "differenziertes Lebensbild" des russischen Revolutionsdichters entwirft, der später von Stalin zur Sowjetikone erklärt wurde. Anders als eine bereits 1989 in der Sowjetunion erschienene Biografie verzichte Thun auf unseriöse Spekulationen, die Majakowskis Tod betreffen. Die Autorin erkläre sein Scheitern vielmehr aus seiner Persönlichkeit und seinen Lebensumständen. Dadurch erfahren sowohl die Agitprop-Texte wie auch die herausragende Liebeslyrik Ulrich M. Schmid zufolge eine entsprechende Einordnung und Würdigung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.06.2000
Höchste Zeit sei es für eine Neuschreibung der Biographie des russischen Dichters Vladimir Majakowski gewesen, meint Michael Braun und lobt die vorurteilsfreie Herangehensweise der Berliner Slawistin Nyota Thun, der es in ihrer nun vorliegenden Biografie gelungen sei, die Legendenbildung um den sogenannten Hofdichter der Revolution zu analysieren und von "falschen Heroisierungen und Ressentiments zu befreien". Braun erwähnt die (in der Reihe rowohlts monographien) erschienene Biographie von Hugo Huppert aus den 60er Jahren, die das Majakowski-Bild bislang eher durch parteikommunistische Färbung trübte als erhellte. Thun zeichne das Leben eines von Ambivalenzen und Depressionen gezeichneten Dichters nach, der seine Zweifel schließlich lautstark erstickte und sich völlig den kulturpolitischen Maximen seiner Parteigenossen verschrieb. Ein Dichterleben, das in jeder Hinsicht tragisch endete, aber durchaus produktive Phasen des Übergangs kannte, deren Gedichte unser Rezensent dank der neuen Biographie von Thun schätzen gelernt hat.
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