Aus dem Französischen von Rainer G. Schmidt. Nach dem Gesang der Abgesang auf die Poesie, dann Auswandern ins "andere" seiner selbst und der von ihm, in den Dichtungen, imaginierten Landschaften. Sein beredtes Schweigen löste einen Mythos aus. Vor 150 Jahren geboren, am 20. Oktober 1854, und schon mit 37 verstorben, gleich einem "Juif errant" durch die Zeiten geisternd: Phantom Rimbaud. - Nehmen wir aber hier den Dichter beim Wort: Vermutlich in den Jahren 1872-76, bei einem London-Aufenthalt (mit Verlaine) und durch Eindrücke von Stockholm und der Schweiz angeregt, schrieb Rimbaud Prosagedichte, die Verlaine später unter dem Titel "Illuminations" versammelte. Dieses Wort (englisch und französisch lesbar) bezeichnet sowohl Be- als auch Erleuchtungen (Rimbaud verwendete es, in einem Untertitel, als missverstandenes Synonym von Painted Plates, kolorierte Stiche). Manche der Texte wirken in der Tat wie Gravuren, in denen sich Zartheit und Härte, ja, Brutalität abwechseln. Es sind Malereien in Sprache und in Klängen, die, zwar fixiert, dennoch schweben und entschweben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2005
Es sei fast ein Wunder, wie Arthur Rimbaud, eine der Ikonen der Moderne, in diesen neuen Übersetzungen von allen Sockeln und Thronen des Erhabenen herabsteige und sich gerade dadurch als großer Meister erweise. Anders als Stefan George oder Paul Celan, deren Rimbaud von "belehrend raunender Sprachalchemie" nicht frei sei, so der Rezensent Milo Rau, überträgt Rainer G. Schmidt alle Ambiguitäten ohne große Weihrauchschwenkerei wiederum in Ambiguitäten, die er weder deutet noch verhehlt. Er setzt auf Wörtlichkeit und verzichtet auf große "Umstellungen", das stehe dann da, "verstehe wer will". Bleibt nur zu hoffen, meint der Rezensent, dass auch die anderen Texte Rimbauds in ähnlicher Manier verdeutscht werden.
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