Dieses Buch befasst sich mit einer bisher vernachlässigten Schattenseite der internationalen Kooperation, nämlich der Verminderung demokratischer Einflussmöglichkeiten aufgrund der Selbstbindungen, die nationale Regierungen untereinander eingehen. Aus einer die unterschiedlichen politikwissenschaftlichen Zugänge der Regierungslehre, der Demokratietheorie und der Internationalen Beziehungen miteinander verbindenden Untersuchungsperspektive deutet Klaus Dieter Wolf die zunehmende Verlagerung von Regierungstätigkeiten in den Raum jenseits des Staates als Ausdruck einer Politik der Neuen Staatsräson, mit der die nationalen Regierungen versuchen, sich neue Handlungsspielräume auch gegenüber ihren eigenen Gesellschaften zu verschaffen. Vor dem Hintergrund verschiedener demokratietheoretischer Modelle wird zur Lösung des daraus resultierenden Demokratieproblems eine geordnete Entstaatlichung des Regierens jenseits des Staates propagiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2000
Klaus Dieter Wolf konstatiert nach dem Referat des Rezensenten Wolfgang Wagner einen gewissen Demokratieverlust in den modernen Staaten durch die Knüpfung immer zahlreicherer internationaler Verträge, die die Staaten binden, ohne dass das Volk an den Verhandlungen tatsächlich partizipieren kann. Nach Wagner sieht Wolf darin durchaus auch positive Aspekte: Die Währungsunion hätte es den Staaten der EU zum Beispiel erlaubt, Reformen durchzusetzen, die an den Gesellschaften sonst gescheitert wären. Wagner entdeckt an dem Buch allerdings auch Züge einer "Verschwörungstheorie", nach der die Staaten bewusst nach außen auf Souveränität verzichteten, um sie nach innen wieder zu gewinnen. Dabei plädiert er aber dafür, diese "Verschwörungstheorie" nicht beim Wort zu nehmen: Sie sei wohl eher als Diskussionsanstoß gedacht. Auch im zweiten Teil des Buchs, wo es um die Wiedergewinnung innerer Demokratie geht, findet Wagner Anregungen. Mit Interesse berichtet er über Wolfs Vorschlag, regierungsunabhängige Organisationen an internationalen Verhandlungen teilnehmen zu lassen und damit eine innergesellschaftliche Repräsentation in der Diplomatie zu ermöglichen.
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