Mit 127 Abbildungen. Die Frage nach den historischen Bedingungen und Möglichkeiten für den Anspruch Frankreichs auf die kulturelle Hegemonie innerhalb der europäischen Staatenwelt steht im Mittelpunkt des Buches von Dietrich Erben. Ein solcher Anspruch gewann unter der Regierung Ludwigs XIV. (1661-1715) in Kunst und Architektur maßgeblich am Vorbild Roms Gestalt. Mit dieser Orientierung ist auch die Grundabsicht der französischen Kulturpolitik in dieser Epoche benannt. Sie zielte auf die Ablösung der politischen und geistlichen Titel, die Rom zu vergeben hatte, und auf den Erwerb des Status einer Universalmonarchie. Diese Zielsetzung wurde für eine kunstpolitische Programmatik bestimmend, die bis in die Renaissance zurückreicht, doch unter Ludwig XIV. eine militant gesteigerte Dynamik entfaltete. Eine umfassende Rekonstruktion der Kunstbeziehungen zwischen Paris und Rom im historischen und ideengeschichtlichen Kontext belegt nicht nur deren Dauer und Intensität. Sie erschließt mit den stilistischen Prägungen auch den grundsätzlichen Programmcharakter der Hofkunst Ludwigs XIV.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2005
Gelungen findet Thomas W. Gaehtgens diese Studie über die Kunstpolitik Ludwigs XIV., die Dietrich Erben vorgelegt hat. Zwar scheinen ihm an Erbens These, der Sonnenkönig habe in einem expansionistischen Sinne eine Universalmonarchie angestrebt, durchaus Zweifel angebracht. Für "überzeugend und richtungsweisend" hält er aber Erbens Einsicht, dass die Künste unter Ludwigs XIV. in die Pflicht genommen wurden, bestimmte deklamatorische Aufgaben zu propagieren, die in ihrer Lautstärke über die Realpolitik und das Tagesgeschehen weit hinausgingen. Auf dieser Ebene biete Erben einen "ganz neuen Blick auf bedeutende und bereits oft behandelte Monumente der ludovizischen Kunstpolitik". Dies verdeutliche der Autor in "eindringlichen Abschnitten" über die Präsenz Frankreichs in Rom, die sich in Denkmälern und Festen manifestierte. Den Höhepunkt der Untersuchung sieht Gaehtgens in der Darstellung der Geschichte des Invalidendoms. Auch wenn für ihn manche Deutungen Erbens in Zweifel gezogen werden können, würdigt er die Arbeit als eine Untersuchung, die Maßstäbe setzt. Denn "in dieser Intensität" seien politische Geschichte und Kirchengeschichte einerseits und Architektur und bildende Kunst andererseits noch nicht miteinander verknüpft worden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.02.2005
Das Buch des Kunsthistorikers Dietrich Erben befasst sich mit dem Konkurrenzverhältnis der Städte Paris und Rom in der Zeit des Absolutismus, erläutert Rezensent Willibald Sauerländer, wobei es weniger um eine autonome Geschichte der Kunst als vielmehr um den Prozess der Institutionalisierung von Kunst und Architektur für die Interessen des Staates gehe. Insofern betreibe Erben, behauptet Sauerländer, Institutionsgeschichte, womit der Kunsthistoriker einem Trend folge, der sich in der Kunstgeschichte seit längerem abzeichne. Erben versteht sein Handwerk, nicht nur als Kunsthistoriker, auch als Historiker, lobt Sauerländer, allerdings lese sich sein Buch streckenweise mehr wie eine verwaltungsgeschichtliche und nicht wie eine kunsthistorische Arbeit. Dafür nehme sich der Autor die Freiheit, die Kunstwerke selbst ausführlich zu beschreiben, wobei Erben eine eigenwillige Variante der politischen Gestaltikonologie entwickele, gesteht Sauerländer. Erbens Sicht auf Bauwerke als politische Konkurrenzunternehmen erscheint ihm manchmal fast als Obsession, etwas mehr "imaginative Freiheit" müsse man den Künsten schon zugestehen, schließt der Kritiker insgesamt wohlwollend.
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