Wenn die deutsche Situation von fachkundigen Ausländern betrachtet wird, dann ernten wir oft nur Kopfschütteln. "Was ist mit den Deutschen los?", wird gefragt. Ein Land, das nach dem zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört war, dann ein Wirtschaftswunder mit unbekanntem Ausmaß erlebte, eine Zusammenführung von geteilten Staaten vollbracht hat und eine geballte Wirtschaftsmacht ist, ergeht sich im Jammern. Mit einem Sparvolumen von über 135 Mrd, Euro und der weltweit höchsten Arbeitsproduktivität pro Sunde, den höchsten Bruttolöhnen und dem längsten Urlaub müsste es uns eigentlich gut gehen. Aber die Stimmung deckt sich nicht mit der realen Wirklichkeit. Tatsächlich ist das aber nicht das einzige Ungleichgewicht. Der Autor hat noch weiter Diskrepanzen entdeckt und legt sie schonungslos offen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2005
Benedikt Koehler mochte sich leider nicht von der Diagnose des Wirtschaftswissenschaftlers Spiridon Paraskewopoulos beruhigen lassen. Danach neigen die Deutschen zu einer Verzagtheit, die von den wirtschaftlichen Realitäten nicht gedeckt sei. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Sozialstaats sein im Kern unvermindert, die Probleme der Rentenkasse durch die Frühverrentung induziert und die hohe Arbeitslosigkeit dem Zustrom von Frauen und Migranten auf den Arbeitsmarkt geschuldet, gibt Koehler die Grundlinien von Paraskewopoulos' Buch wieder. Die Sozialausgaben müssten nicht gesenkt, sondern erhöht werden. Dagegen stellt Koehler die hohe Verschuldung, die unrentablen Transferleistungen von West nach Ost und die hohen Arbeitskosten. Auch beschleicht den Rezensenten der Verdacht, das Paraskewopoulos' Gedanken wie auch der Sozialstaat zu sehr auf die Siebziger Jahre zugeschnitten sind.
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