Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Am 5. Februar 1945 fährt ein Zug aus Theresienstadt in die Schweiz. Vorausgegangen war ein Abkommen zwischen Heinrich Himmler und dem Schweizer Politiker Jean-Marie Musy. Weitere Zugaktionen wurden von Hitler persönlich unterbunden. Auf der Grundlage von eigenen Recherchen und Zeugenberichten erzählt Manfred Flügge Vor- und Nachgeschichte dieses Zuges und darin eingeflochten ein Familienschicksal, ein spannendes Kapitel aus den letzten Kriegsmonaten, grausam und grotesk, abgründig und absurd, eine Vermischung unterschiedlichster Interessen: Geheimdienstspiele mit den Westalliierten, um die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation zu unterlaufen, Versuche des konservativen Widerstands, Himmler für einen Umsturz zu benutzen, verzweifelte Bemühungen, Menschenleben zu retten, ein Puzzle aus Schicksalen, die sich nur indirekt berühren... Und doch sind am Ende 1200 Menschen gerettet.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2005
Eine "geheimnisumwitterte Aktion" sieht Jürg Altwegg im Mittelpunkt dieses Buches von Manfred Flügge: die Rettung von eintausendzweihundert Juden im Frühjahr 1945, die per Zug aus Theresienstadt in die sichere Schweiz gebracht wurden. Die Hintergründe dieser wenig bekannten Rettungsaktion bleiben nach Einschätzung Altweggs von Spekulationen und Anekdoten umrankt. Die große Zahl der auftretenden Figuren mache es dem Leser nicht leicht, der von Flügge recherchierten Geschichte zu folgen. "Der Autor kreist sie durch viele Episoden und manchmal auch nur durch Anekdoten ein", berichtet Altwegg. In seiner Besprechung zeichnet der Rezensent die verschlungene Geschichte der Rettungsaktion nach, in der neben Himmler und dessen Vertrautem Schellenberg der ehemalige Schweizer Bundespräsident Jean-Marie Musy sowie Coco Chanel, Heydrich in Prag, Henri und Henry Guisan und zahlreiche weitere Personen eine Rolle spielen. Zu den Höhepunkten des Buches zählt Altwegg die Beschreibung von Himmlers letzten Tagen. Abschließend hält er fest, dass Musy wie Schellenberg eher "widerwillige Retter mit schmutzigen Händen" waren, die vor allem ihre eigenen Interessen verfolgten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2004
Mit einer in ihren Motiven immer noch nicht geklärten - und wohl auch nicht mehr zu klärenden - Rettungsaktion aus den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs beschäftigt sich dieser Band von Manfred Flügge. Durch eine Intervention des Schweizer Bundesrats Jean-Marie Musy und mit Unterstützung durch Heinrich Himmler, der sich den Alliierten als Verhandlungspartner andienen wollte, wurden 1200 Gefangene des Konzentrationslagers Theresienstadt zu ihrer Rettung entlassen und in die Schweiz transportiert. Musy freilich bleibt eine undurchschaubare Figur, da er faschistischen Ansichten keineswegs fern stand. Flügge nutzt diesen Fall, um ein sehr viel weit reichenderes zeitgeschichtliches Panorama zu entwerfen, das der Rezensent Alfred Cattani so "spannend" wie "abwechslungsreich geschrieben" findet. Die Tatsache, dass manche der Figuren - wie der Autor selbst erklärt - der besseren Darstellung halber erfunden sind, wird erwähnt, aber nicht kritisiert.
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