Aus dem Niederländischen von Verena Kiefer. Kaum ein Phänomen ist faszinierender als das menschliche Gedächtnis - grandios, was wir uns merken können, staunenswert, was wir alles erinnern; erschütternd aber auch, was wir vergessen. Aber vergessen wir es wirklich? Manchmal werden angeblich längst vergessene Ereignisse wieder nach oben gespült - irgendwo waren sie im Verborgenen gespeichert ... Gedächtnis und Erinnerung sind rätselhafte Phänomene und längst sind noch nicht alle Geheimnisse um sie gelöst. Warum etwa erinnert man sich so gut an Demütigungen und Niederlagen? Warum haben manche Menschen das absolute Gedächtnis? Wie funktioniert das Gedächtnis und wie kann man es trainieren? Warum ist die Grenze zwischen Erinnerung und Erfindung oft so unklar? Und: wie sieht es mit so geheimnisvollen Erlebnissen wie Deja-vus und dem berühmten Zug der Erinnerungs-Bilder kurz vorm Tod aus?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.03.2005
"Eines der einfallsreichsten und anregendsten Bücher der letzten Monate" sieht Rezensent Frank Ufen in Douwe Draaismas Buch über die "Rätsel unserer Erinnerung". Der niederländische Gedächtnisforscher und Psychologiehistoriker diskutiere in seiner "exzellent geschriebene Studie" unterschiedliche Ansätzen der Gedächtnisforschung und befasse sich mit einer Reihe von Phänomenen, die im Zusammenhang mit unserer Erinnerung stehen. Er untersuche etwa, wie Deja-vu-Erlebnisse zu Stande kommen, warum das autobiografische Gedächtnis nahezu alles vergessen kann - bloß nicht erlittene Demütigungen und Kränkungen, warum man seine Erinnerungen nicht rückwärts laufen lassen kann, und warum Menschen in akuter Lebensgefahr oft ihr Leben wie einen Film an sich vorüberziehen sehen. Ufen hebt hervor, dass Draaisma immer wieder auf die Forschungsergebnisse der Psychologie des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts zurückgreift. Diese haben in seinen Augen den großen Vorzug, die Funktionsweise des autobiografischen Gedächtnisses in der Alltagspraxis statt unter künstlichen Bedingungen analysiert zu haben. Dass Draaisma um die Erkenntnisse der Hirnforschung und der Kognitionswissenschaften einen großen Bogen macht, kann für Ufen den Wert des Buches nicht mindern. Das nämlich hat das "Zeug zum Klassiker".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.11.2004
Diemut Klärner ist von diesem Buch über das menschliche Vergessen und Erinnern des niederländischen Dozenten für Psychologiegeschichte Douwe Draaisma sehr angetan. Der Autor beschreibt darin gleichermaßen alltägliche wie außergewöhnliche Phänomene des Gedächtnisses und schöpft dabei sowohl aus den Erkenntnissen der Psychologie wie aus literarischen Werken, teilt die eingenommene Rezensentin mit. Sie lobt den Autor für seine "unterhaltsame" Darstellungsweise und findet es insbesondere dankenswert, dass Draaisma seine Leser nicht mit "langwierigen theoretischen Diskursen" und auch nicht mit unnötigem "Fachjargon" langweilt, sondern mit sehr "anschaulichen Beispielen" die verschiedensten Seiten des Gedächtnisses beleuchtet. Und auch wenn der Autor nicht für alle Fragen und Problemstellungen mit "handfesten", wissenschaftlichen Ergebnissen aufwarten kann, so stellt sich das Buch dennoch als äußerst "lohnenswerte Lektüre" heraus, weil es den "Finessen" des Themas auf die Spur kommen will, so Klärner überzeugt.
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