Max Schohl war ein angesehener Bürger des Städtchens Flörsheim am Main. Er war im Ersten Weltkrieg mehrfach ausgezeichnet worden, seine Chemiefabrik leitete er mit großem Erfolg, ein beliebter und wohltätiger Arbeitgeber, der sich in erster Linie als deutscher Patriot empfand, erst in zweiter Linie als Jude. Und so fühlte er sich auch nicht bedroht, als die Nazis an die Macht kamen. Erst die Brutalitäten der 'Kristallnacht' zeigten ihm unmissverständlich, dass er die Rettung für sich und seine Familie einzig in der Emigration suchen konnte. Ein tragischer Leidensweg begann. Amerika war nie das Land seiner Träume, doch nach dem Pogrom im November 1938 scheint es die beste Wahl für den Chemiker Max Schohl, seine arische Ehefrau und die beiden Töchter. Ein amerikanischer Cousin stellt die finanziellen Mittel bereit, überwindet bürokratische Hürden und kann Schohl sogar als Lehrer an ein College vermitteln; alle Voraussetzungen sind damit erfüllt. Dennoch lehnt das Generalkonsulat in Stuttgart den Antrag auf Einwanderung ab. Als sich auch alle weiteren Pläne zerschlagen - die Schohls bemühen sich um eine Auswanderung nach England, nach Chile und nach Brasilien - bleibt nur noch die Flucht nach Jugoslawien. Die Familie kann Atem schöpfen, lebt sich ein; doch 1941 besetzen deutsche Truppen das Land.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2004
Bewegt zeigt sich Rezensent Hans Jürgen Döscher von David Clay Larges Buch "Einwanderung abgelehnt", das das Schicksal des deutschen Juden Max Schohl und seiner Familie während des "Dritten Reiches" schildert. Nach den zunehmenden Drangsalierungen der Juden durch das Regime und die brutalen Ausschreitungen im Verlauf der Novemberpogrome 1938 plante der angesehene Unternehmer, der als Offizier im Ersten Weltkrieg mehrfach ausgezeichnet worden war, die Emigration seiner Familie in die USA. Die Vereinigten Staaten betrieben zur fraglichen Zeit allerdings eine restriktive Einwanderungspolitik, Schohls Anliegen wurde abgelehnt. Als sich auch weitere Emigrationspläne - nach Großbritannien, Chile und Brasilien - zerschlugen, blieb den Schohls nur die Flucht nach Jugoslawien, wo sie 1941 von der deutschen Okkupation überrascht und von deren kroatischen Helfershelfern verfolgt wurden. Schohl wurde 1943 in Auschwitz ermordet, seine Frau und die beiden Töchter wurden in ein Arbeitslager deportiert, wo sie den Zweiten Weltkrieg. Clay Large habe den Nachlass der Familie ausgewertet und deren bewegendes Schicksal "einfühlsam dargestellt".
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