Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Bettina Abarbanell. Dies ist die Geschichte des Tagelöhners Robert Grainier, der irgendwann im Jahr 1866 geboren wurde, entweder in Utah oder in Kanada, und der nie erfuhr, wer seine Eltern waren. Robert Grainier war in seinem Leben niemals betrunken, hat nie eine Waffe besessen und hat kein einziges Mal in einen Telefonhörer gesprochen. Er ist mit zahllosen Zügen gefahren, saß in vielen Automobilen und ist einmal, 1927, sogar in einem Flugzeug gereist. Dabei hat sich Robert Grainier in den über 80 Jahren seines Lebens bis auf wenige Meilen dem Pazifik genähert. Gesehen hat er den Ozean nie.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.03.2005
Der Rezensent Christoph Schröder findet zwar in dieser Novelle wenig Neues von dem mit Leidenschaft in abgründige Seelenwelten blickenden amerikanischen Autor Denis Johnson. Doch das tut der Qualität der Geschichte keinen Abbruch: "Die Novelle wirkt wie das Räuspern eines Schriftstellers mit langem epischem Atem - eine Fingerübung, die den großen Autor jederzeit erkennen lässt." Besonders beeindruckt ist Schröder von der "suggestiven, assoziationsreichen und bildsicheren Sprache", mit der es Johnson gelingt, auch diesmal seinen Protagonisten zu einem typischen Anti-Helden zu machen - obwohl der, anders als die Helden früherer Johnson-Romane, ein fast biederes und gewöhnliches Leben führt. Doch es geht bei Johnson eben um Seelenwelten und in die kann man eben nicht so leicht gucken. Hier liefern sie die Grundierung für eine "Revue amerikanischer Mythen und Traumbilder" und so schafft auch dieser kurze Roman "den Sog jener Ästhetik des Schreckens, die sich bei Johnson in Perfektion finden lässt, ohne dass sie Gefahr liefe, dem Manierismus zu verfallen".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.12.2004
Eine "beunruhigende Faszination" der Geschichte eines einfachen Mannes hat Eberhard Falcke völlig in Bann geschlagen. Denis Johnsons "Train Dreams" ist eine lange Erzählung über das unauffällige, aber tragische Leben des Robert Grainier, der selbst keine nennenswerte Spuren hinterlassen hat und umso mehr vom Leben gezeichnet wurde. Ein schreckliches Ereignis steht im Zentrum dieser Existenz: ein Feuersturm raubt ihm 1920 Haus, Weib und Kind. Auf schauerliche Art hat er seine Familienmitglieder dann noch einmal wiedergesehen. Seine Frau Gladys erscheint ihm als "untröstliche Muttergestalt aus dem Jenseits", und seine Tochter Kate findet er eines Nachts schwer verletzt vor seiner Tür, als "Wolfsmädchen, über das man sich im Tal abergläubische Geschichten erzählt". Das Unglück, findet Falcke, ist bei Johnson keine unerhörte Begebenheit, sondern die Regel; nicht nur der Held, auch zahlreiche "tragische, komische und verschrobene" Nebenfiguren würden das bestätigen. Der Rezensent zeigt sich hingerissen davon, wie der Autor mit knappen Strichen das Leben Grainers mit viel Eindringlichkeit zeichnet. Ganz erstaunlich, so Falcke, "wie viel Johnson in seine Novelle hineingepackt hat". Raffiniert, verstörend, bewundernswert, kunstvoll - Eberhard Falcke zieht wirklich alle Register enthusiastischer Rezensionskunst und beschließt seine Lobeshymne dankenswerterweise mit einem Hinweis auf die nicht zu unterschätzende Übersetzungsleistung von Bettina Abarbanell.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2004
Christoph Bartmann ist verzaubert: eine Novelle des "klaren Traumlichts", ein Stück Americana in Worten, die Geschichte eines einfachen und mythisch beseelten Lebens in Episoden, eine Erzählung des "Übersinnlichen" auf dem harten Boden amerikanischer Weiten, ohne jeden "magischen Realismus". Ein, kurzum, "Meisterstück" - auch auf deutsch, denn Bettina Abarbanells Übersetzung hat "die Subtilität von Johnsons Sprachgebrauch erhalten, die stille und karge, man möchte sagen, nordwestliche Schönheit seiner Bilder". Robert Grainier heißt der Held, der sein Dasein in Idaho begann und beendete, und er scheint dem Rezensenten einem dieser Folksong entsprungen zu sein, in denen die Welt von Geistern bevölkert ist, ohne an Handfestigkeit zu verlieren. "Bodenständigkeit und Bodenlosigkeit", vertraut und fremd zugleich. "Wann", fragt Bartmann, "haben wir zuletzt im wachen Zustand etwas Traumgleicheres gesehen als Denis Johnsons Wälder; vielleicht bei Adalbert Stifter?"
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