Wie kommt es, dass ausgerechnet Shakespeare, der dem durchschnittlichen Kinogänger lediglich vom Namen her bekannt sein dürfte, zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten "Drehbuchautoren" der amerikanischen Filmindustrie werden konnte? Und dass - weitgehend unbemerkt - die Anlage von Wagners "Tristan und Isolde" in den Plots des "film noir" bis heute weiterwirkt? Elisabeth Bronfen betreibt ein orginelles "cross mapping" zwischen Theater, Oper und Film und leistet einen Beitrag zur Erforschung der durch diese Medien freigesetzten und als ästhetisches Lusterlebnis nutzbar gemachten psychischen Energien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2005
Beeindruckt zeigt sich Rezensent Gerhard R. Koch von Elisabeth Bronfens Studie über "Liebestod und Femme fatale", die das Weiterwirken von Wagners Liebestod-Motiv in den Mann-Frau-Konstellationen des "film noir" unter die Lupe nimmt. Koch charakterisiert die Literaturwissenschaftlerin als "eine Art Genre-Peripatetikerin", die nicht nur durch die Geistesgeschichte flaniert, sondern sich auch systematisch durch eine permanent die Perspektiven verwirrende Kulturlandschaft bewegt. Bronfen gelinge es, wo nicht kongruente, so doch analoge Muster in Wagners Oper und Filmen wie Billy Wilders "Double Indemnity" oder Fassbinders "Liebe ist kälter als der Tod" aufzudecken. Koch hebt hervor, dass die Autorin dabei "souverän" zwischen Oper, Drama, Literatur und Film, Gender-Theorie, Psychoanalyse und Textexegese hin und her jongliert. "Bestechend" findet er den Materialreichtum und die "dekonstruktivistische Schärfe" ihrer Erörterungen. Dass sie es dem Leser mit ihren verästelten Argumentationen nicht immer leicht macht, ist für Koch kein Einwand. Ein wenig zu kurz kommen seines Erachtens allerdings die Unterschiede zwischen Wagners Liebestod und dem Sterben im "film noir".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2004
Eine Kurzkritik aus dem Genre Spott und Häme. Der Rezensent, Kürzel "lx", zitiert aus dem Vorwort, in dem die Autorin "das Aufeinanderlegen oder Kartografieren von Denkfiguren" verspricht. Davon hält "lx" offenkundig gar nichts und kann nichts weiter als "spät-postmoderne Wünschelrutengängerei" und "intellektuelle Diskurs-Nekrophilie" erkennen. Der Ton ist eher grob ironisch, die Verachtung dafür unmissverständlich komplett.
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