Herausgegeben von Sönke Lorenz, Jürgen M. Schmidt und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Uni Tübingen Hexerei und Teufelswerk - allein der Verdacht konnte noch vor wenigen Jahrhunderten Folter und Tod für die Betroffenen bedeuten. Schaurige Rituale oder einen Bund mit dem Teufel sagten ihnen die Ankläger nach, die anscheinend selbst an die Existenz schwarzer Magie glaubten - oder nutzten sie nur einen naiven Volksglauben und ein pervertiertes Rechtssystem, um politische und persönliche Motive zu verschleiern? In diesem Band zeichnen Forscher die Verbreitung des Hexenglaubens, das Vorgehen im Prozess und die Propaganda im Mittelalter und der frühen Neuzeit nach und wagen einen Ausblick in die Gegenwart. Am konkreten Beispiel einzelner Städte in Südwestdeutschland wird sichtbar, wie das Schicksal der angeklagten Männer und vor allem Frauen zum Spielball von Dorfkonflikten oder Fürstenwillkür, Fremdenhass und Frauenfeindlichkeit wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2004
Sehr aufschlussreich findet Wolfgang Reinhard diesen von Sönke Lorenz und Jürgen Michael Schmidt herausgegebenen Sammelband, der sich mit der europäischen Hexenverfolgung und ihren Auswirkungen auf Südwestdeutschland befasst. Der Band gliedert sich laut Reinhard in einen allgemeinen Teil zur europäischen Hexenverfolgung und einen längeren speziellen, der aus einundzwanzig Detailstudien zu wichtigeren Territorien und Städten Südwestdeutschlands sowie einen Forschungsüberblick besteht. Ausführlich geht Reinhard auf einzelne Beiträge ein. So hebt er Wolfgang Schilds Phänomenologie der Hexerei und ihrer Verfolgung hervor, ebenso Andreas Blauerts Schilderung der frühen Hexenverfolgungen in der Schweiz, am Bodensee und am Oberrhein und Sönke Lorenz' Ausführungen über den Hexenprozess auf das Verhältnis der Regeln im Strafrecht Kaiser Karls V. von 1532. Im weiteren erwähnt er die Beiträge von Anita Chmielewski-Hagius über den alltagsmagischen Mutterboden des Hexenglaubens, von Dieter R. Bauer über die Hexen der Gegenwart und von Jutta Nowosadtko über zwei Scharfrichter aus Biberach, die in der ersten Verfolgungswelle Ende des sechzehnten Jahrhunderts als Experten gezielten und brutalen Vorgehens von vielen südwestdeutschen Herrschaften angefordert wurden, ihre Techniken weitergaben und reich dabei wurden. Als "hochinformativ" lobt er schließlich Wolfgang Behringers "Geschichte der Hexenforschung", die den Band beschließt. Etwas bedauerlich findet er das Fehlen eines Registers und einer Vorstellung der Autorinnen und Autoren. Nichtsdestoweniger handle es bei dem Band um einen "höchst empfehlenswerten Wälzer".
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