Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Joachim Kalka. Mit einer Einleitung von Dorothea Hauser. Aus der Zeit, als John M. Keynes Mitglied der britischen Delegation in Versailles war, stammt diese Erinnerung an Carl Melchior, jüdischer Bankier aus Hamburg, Keynes Verhandlungspartner auf Seiten der besiegten Deutschen, ein Feind, der zum Freund wurde. Dies ist eine einzigartige Nahaufnahme der Monate nach Ende des Ersten Weltkriegs, die schicksalhaft für Europa wurden. Für seinen Biografen Robert Skidelski ist dieser Text, zusammen mit der hier erstmals auf deutsch veröffentlichten Erinnerung an Bloomsbury "das persönlichste und beste, was Keynes je geschrieben hat".
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2005
Mit den beiden Texten, die in einem Band des Berenberg Verlags vorliegen, hat sich John Maynard Keynes Karen Horns grenzenlose Bewunderung erschrieben. Man kann von den wirtschaftspolitischen Konsequenzen des Keynesianismus halten, was man will, meint Horn, aber "der Mann war ein Genie". Sowohl die Erinnerungen an das geistige Umfeld der Studienzeit in Cambridge als auch "Dr. Melchior" legten von Keynes schriftstellerischer Begabung ein "hinreißendes Zeugnis" ab. "Dr. Melchior" ist nach Horn nichts weniger als eine "Preziose der Zeitgeschichte". Keynes schildert darin seine Beobachtungen während der Gespräche zum Versailler Friedensvertrag nach dem Ersten Weltkrieg. Die "urkomischen, beißenden, snobistischen" Porträts, mit denen Keynes die Persönlichkeiten skiziiert, die er dort trifft, reißen Horn zu Begeisterungsstürmen hin. "Ein Hochgenuss."
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004
Detlev Claussen hat aus der Lektüre dieses "lesenswerten, schön gemachten" Buches mehrere Einsichten gewonnen. Zum einen erkennt er in Keynes' "altklugem Ton" die "unerschütterliche Selbstsicherheit" der Elite, in der Intellektualität und Macht nicht getrennt sind, "wie man es aus Deutschland gewohnt ist", sondern ungebrochen nebeneinander stehen. Den Rezensenten "ergreift" außerdem ein Erstaunen darüber, dass der Antisemitismus weder deutschlandspezifisch noch ein "spontanes Produkt von ungebildeten und verelendeten Unterschichten" ist. "Atemberaubend" findet er die Gleichzeitigkeit von "Klugheit und Borniertheit auf engstem Raum", die er vor allem beim zweiten Text bemerkt, in dem der fünfzigjährige Keynes seine früheren Überzeugungen reflektiert und kommentiert. Viel gelernt also beim Lesen dieses "kleinen, aber feinen Bandes".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2004
Einen "Grund zum Feiern" sieht Rezensent Harold James im Erscheinen dieses "elegant ausgestatteten" und "vorzüglich übersetzten" Bands, der die beiden wichtigsten nicht-ökonomischen Essays des britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes enthält. James erkennt darin nicht nur einen Schlüssel zu Keynes Denken, sondern auch zu einer Geisteshaltung, die das Denken des 20. Jahrhunderts in seinen besseren Ausformungen stark geprägt habe. "Dieses Buch", befindet er, "atmet den Geist der Aufklärung in ihrer gequälten, für das 20. Jahrhundert typischen Form". Den erste Aufsatz, "Dr. Melchior. Ein besiegter Feind" , charakterisiert James als Reflexion über Keynes' Begegnung mit Carl Melchior während der Friedensverhandlungen von 1919 in Paris, Trier und Spa. Sehr anschaulich schildere Keynes die bedrückenden, irritierenden Bedingungen, unter denen in einer Atmosphäre von gegenseitigem Misstrauen, Hass und Kleinlichkeit Frieden geschlossen werden sollte. Hier gebe Keynes im Grunde eine einfache Lektion in praktischer Moral: Seines Erachtens könne man nur auf der Grundlage des freundschaftlichen Umgangs aufgeklärter Männer zu einer vernünftigen Lösung gelangen. "Höhepunkt" des Essays sind für James dann auch die Passagen, in denen sich zeigt, wie Keynes und Melchior miteinander zu sprechen vermögen, wie einstige Feinde durch Vernunft und gegenseitige Sympathie zu Freunden werden können. Im Aufsatz "Meine frühen Überzeugungen" hingegen äußere Keynes Zweifel, ob die aufgeklärte, liberale Vision des Cambridge vor 1914 wirklich genüge. Er hatte erkannt, so James, "dass die liberale Vision in stabilen Institutionen verankert werden musste. Die Freundschaft guter Menschen reichte nicht aus, die Welt zu reformieren."
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004
Bei den vorliegenden zwei Texten, erklärt Rezensent Malcolm Dunn, handelt es sich um die schriftliche Fassung zweier Vorträge, die Maynard Keynes vor einem kleinen Kreis intimer Freunde, der sogenannten Bloomsbury Group hielt. In ihnen offenbare sich Keynes auf sehr persönliche Art, eine Art jedoch, die dem Rezensenten nicht so recht schmecken will, trotz des "ökonomischen Talents" des Autors. Im ersten Text schildere Keynes, Mitglied der englischen Delegation bei den Friedensverhandlungen 1919 in Versailles, seine Begegnung mit Dr. Melchior, einem Mitglied der deutschen Delegation. Man erfahre hier nicht nur Details über die Skrupellosigkeit, mit der die Siegermächte versuchten, von Deutschland alles irgend mögliche einzufordern, sondern auch welchen Anteil Keynes an den Verhandlungen hatte - den nämlich, dass er die deutsche Delegation davon überzeugte, "dies sei das Beste, was sich für Deutschland heraushandeln ließe". Irritierend findet der Rezensent zuweilen, dass Keynes über sämtliche Delegationsmitglieder - ob Freund oder Feind - abfällige Bemerkungen fallen lässt und ständig alles besser weiß als die anderen, die bestenfalls als "Dilettanten" gelten könnten. Im zweiten Memoirentext revidiere ein mittlerweile gereifter Keynes einige seiner "frühen Überzeugungen", ohne jedoch, glaubt man dem Rezensenten, an Selbstgefälligkeit eingebüßt zu haben.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2004
"Literarisches Meisterwerk", "glänzend geschrieben" - Henning Ritter hat in dem Nationalökonomen John Maynard Keynes einen vorzüglichen Schriftsteller entdeckt. Ausgezeichnet findet der Rezensent auch die Übersetzung dieser beiden unter dem Sammeltitel "Freund und Feind" nun endlich auf Deutsch vorliegenden Erinnerungstexte. Keynes beschreibt eine untergegangene Welt, eine Welt zwischen Cambridge und Bloomsbury, zwischen dem Vertrag von Versailles und G. E. Moores "Principia Ethica", geistreich bis zur Überheblichkeit, idealistisch bis zur Narretei. In dem Text "Meine frühen Überzeugungen" blickt der berühmte Wissenschaftler kopfschüttelnd auf die realitätsfremden Überzeugungen seiner Jugend zurück; in "Ein besiegter Feind" wendet er sich, gleichfalls kopfschüttelnd, dem lächerlichen Gebaren der Delegierten während der Versailler Friedensverhandlungen zu. Der Titel des letzteren Textes, so Ritter, bezieht sich auf eine mit dieser satirisch-scharfsichtigen Abrechnung dezent verwobene Liebesgeschichte, in der ein jüdischer Bankier aus Hamburg, einer der besiegten Feinde, die zweite Hauptrolle spielte.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








