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Klappentext
Sbarramento di Brennero/Sperre am Brenner: Am Eingang eines Bunkers an der österreichisch-italienischen Grenze wird am 6. April 1947 die Leiche eines Mannes entdeckt. Nachforschungen ergeben die wahre Identität des Toten: Dr. Gerhard Bast, geboren 1911 in der Gottschee, SS-Sturmbannführer, Mitglied der Gestapo, von der Bundespolizeidirektion Linz auf der Fahndungsliste für Kriegsverbrecher geführt. Als Gerhard Bast ermordet wurde, war Martin Pollack noch keine drei Jahre alt. Jetzt, mehr als ein halbes Jahrhundert später, machte sich der Sohn auf, seinen Vater zu suchen - er fand einen Täter.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.12.2004
Eine "große Reportage" - "nicht weniger, aber auch nicht mehr" - erblickt Rezensent Jörg Plath in Martin Pollacks Buch, in dem er die Geschichte seines Vater erzählt, der bei SS und Gestapo Karriere gemacht hatte, und 1947 tot in einem Bunker gefunden wurde. Plath schildert die Karriere von Pollacks Vater angefangen beim Jurastudium über die SS-Mitgliedschaft, den Dienst bei der Grazer Gestapo und der Leitung der "Abteilung für Gegnererforschung und Gegnerbelämpfung" bis zur Leitung eines Sondereinsatzkommandos in Russland. Er hält fest, dass Pollack meist nicht feststellen könne, für welche Verbrechen sein Vater persönlich verantwortlich ist. Weil Unterlagen über Bast fehlen, verfolge er Biografien von Opfern und Tätern, die dessen Weg kreuzen. "Zeugenaussagen und Erläuterungen", berichtet Plath, "lassen in großer Anschaulichkeit zahlreiche und nicht wenige furchtbare Schicksale hervortreten." Den "gravierenden Mangel" des Buches sieht Plath darin, dass Pollack als Person kaum in Erscheinung tritt. Statt dessen stünden NS-Gräuel und mit ihnen historische und moralische Fragen im Mittelpunkt. Anders als Thomas Medicus in seinem Buch "In den Augen meines Großvaters", das eine ähnliche Thematik behandelt, habe Pollack den "Schrecken der Nähe" gescheut.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Sehr beindruckend findet Gabriele von Arnim dieses Buch, in dem Martin Pollack der Geschichte seines Vaters nachgeht, der es als SS-Sturmbandführer weit in der NS-Hierarchie gebracht hat und 1947 ermordet wurde. Sie preist es als gleichermaßen gelungene "Dokumentation" wie als ein literarisches Werk. Man ahnt in den "Halbsätzen" die "Seelennot" des Autors, wenn er der NS-Vergangenheit seines Vaters, den er nie kennen gelernt hat, nachspürt, bemerkt die Rezensentin einfühlsam, wobei sie angetan feststellt, dass sich Pollack bei seiner Recherche weder in "Lakonie" noch in "Selbstmitleid" verliert. Was diese Dokumentation aber so außerordentlich "interessant" macht, ist die Tatsache, dass sie s über die Person des Vaters hinausgeht und eine deutsche Laufbahn schildert, wie sie tausendfach im Nazi-Deutschland stattgefunden hat, lobt die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2004
Darf denn die Biografie eines Kriegsverbrechers so spannend erzählt sein wie ein Krimi? "Ja, sie muss", antwortet Erna Lackner - damit man sie liest, und diese hier sollte man lesen. Martin Pollack hat, wie so viele vor ihm, versucht zu begreifen wie das zusammengeht: der Großvater der Erinnerung, der geliebte "Opsi", und der Großvater der Akten, der sich als engagierter Nazi bei Arisierungen hervortat; der unbekannte Vater, auf manchen Fotos ein "sorglos flanierender Dandy", zugleich Gestapochef in Linz, Leiter eines Einsatzkommandos zur "völkischen Flurbereinigung" in Russland, Polen und der Slowakei, ein vielfacher Mörder, der 1947 erschossen in einem Bunker gefunden wurde. Jahrelang hat der Autor in den Archiven die Spuren geborgen und ist ihnen gefolgt, weit zurück in die Familiengeschichte, bis zum Urgroßvater, der in der Untersteiermark, nahe der slowenischen Grenze, "eine feste Stütze des deutschen Bürgertums (war), das sich als Bollwerk verstand". Von dort, von den "Sprachgrenzdeutschen", führt die bedrückende Familiengeschichte in das Herz des deutschnationalen Fanatismus. Am Ende bleibt der Vater fremd, es gibt keine Antworten auf das "warum", auch Pollack kann den "Abgrund des zwanzigsten Jahrhunderts" nicht mit Erkenntnis überbrücken, doch er ist, schreibt die Rezensentin, dennoch nicht gescheitert: Er habe "ein intensives Schweigen aufgebrochen, für sich, seine Familie und alle Leser, die auf eine solche Mentalitätsgeschichte einer Provinz, die langsam in die Mitte hereingebrochen ist, schon lange gewartet haben."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2004
Ziemlich mitgenommen scheint Rezensent Andreas Breitenstein von Martin Pollacks Versuch, den eigenen Vater, den SS-Sturmbannführer und Kriegsverbrecher Gerhard Bast, als Person zu rekonstruieren und zu verstehen. Dazu krallt sich Pollack an jedem Detail fest, dessen er habhaft werden kann, in der Hoffnung auf Erhellung. Doch der Versuch scheitert, denn Pollack sieht sich letztendlich außerstande, "Lebenslust und Vernichtungswahn, den Familienmenschen und Verbrecher gedanklich zusammenzuführen". In den Augen des Rezensenten macht aber gerade dieses "offene Scheitern im Verstehen" die Größe von Pollacks "intimem Versuch über Gewalt", von diesem "Stück desperater Geschichtsschreibung" aus, "auch literarisch". "Der Tote im Bunker", so das Fazit des Rezensenten ist ein "kühnes Werk voll Zärtlichkeit und Schmerz", das dem "doppelten Anspruch" des "heißen Herzens" und des "kalten Auges" gerecht wird und ohne Lehre bleiben muss.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.08.2004
Durchaus angetan zeigt sich Julia Encke von Martin Pollacks Buch "Der Tote im Bunker", in dem sich der Autor auf die Suche nach seinem Vater begibt. Dieser, ein Jurist und Nationalsozialist der ersten Stunde, Gestapokarrierist und Kriegsverbrecher wurde 1947 in einem Bunker am Brenner unter ungeklärten Umständen ermordet als sein Sohn knapp drei Jahre war. Encke nimmt Pollacks Buch gegen Einwände, die gegen das neuerdings grassierende Genre des NS-Familienbuch vorgebracht wurden, in Schutz: Weder gehe hier um eine Suche, die "das Wiedergefundene in monumentaler Intimität" erscheinen lasse, noch um den bloßen Schreibanlass für einen narzisstischen Autor. Pollack verstehe sein Buch als "Bericht", als sachlich-nüchterne Investigation. Der Vater bleibe fremd, die Suche vergeblich. Denn was immer Pollack in akribischen Recherchen herausfinde, so Encke, "er dringt nicht ins Innere vor". Es bleibe bei der Äußerlichkeit des Schreckens: beim Daten- und Aktenwissen über Gerhard Basts steile SS-Karriere, über die von ihm überwachten Transporte von Juden in Konzentrationslager, über Hinrichtungen von Zwangsarbeitern und Massenmorde seines Sonderkommandos in Südrussland. Auch wenn Pollacks kriminalistische Suche in entscheidenden Punkten vergeblich bleibe, resümiert Encke, "der Bedeutung dieses klaren, kühlen Buches tut das keinen Abbruch."
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