Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Sbarramento di Brennero/Sperre am Brenner: Am Eingang eines Bunkers an der österreichisch-italienischen Grenze wird am 6. April 1947 die Leiche eines Mannes entdeckt. Nachforschungen ergeben die wahre Identität des Toten: Dr. Gerhard Bast, geboren 1911 in der Gottschee, SS-Sturmbannführer, Mitglied der Gestapo, von der Bundespolizeidirektion Linz auf der Fahndungsliste für Kriegsverbrecher geführt. Als Gerhard Bast ermordet wurde, war Martin Pollack noch keine drei Jahre alt. Jetzt, mehr als ein halbes Jahrhundert später, machte sich der Sohn auf, seinen Vater zu suchen - er fand einen Täter.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.12.2004
Eine "große Reportage" - "nicht weniger, aber auch nicht mehr" - erblickt Rezensent Jörg Plath in Martin Pollacks Buch, in dem er die Geschichte seines Vater erzählt, der bei SS und Gestapo Karriere gemacht hatte, und 1947 tot in einem Bunker gefunden wurde. Plath schildert die Karriere von Pollacks Vater angefangen beim Jurastudium über die SS-Mitgliedschaft, den Dienst bei der Grazer Gestapo und der Leitung der "Abteilung für Gegnererforschung und Gegnerbelämpfung" bis zur Leitung eines Sondereinsatzkommandos in Russland. Er hält fest, dass Pollack meist nicht feststellen könne, für welche Verbrechen sein Vater persönlich verantwortlich ist. Weil Unterlagen über Bast fehlen, verfolge er Biografien von Opfern und Tätern, die dessen Weg kreuzen. "Zeugenaussagen und Erläuterungen", berichtet Plath, "lassen in großer Anschaulichkeit zahlreiche und nicht wenige furchtbare Schicksale hervortreten." Den "gravierenden Mangel" des Buches sieht Plath darin, dass Pollack als Person kaum in Erscheinung tritt. Statt dessen stünden NS-Gräuel und mit ihnen historische und moralische Fragen im Mittelpunkt. Anders als Thomas Medicus in seinem Buch "In den Augen meines Großvaters", das eine ähnliche Thematik behandelt, habe Pollack den "Schrecken der Nähe" gescheut.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Sehr beindruckend findet Gabriele von Arnim dieses Buch, in dem Martin Pollack der Geschichte seines Vaters nachgeht, der es als SS-Sturmbandführer weit in der NS-Hierarchie gebracht hat und 1947 ermordet wurde. Sie preist es als gleichermaßen gelungene "Dokumentation" wie als ein literarisches Werk. Man ahnt in den "Halbsätzen" die "Seelennot" des Autors, wenn er der NS-Vergangenheit seines Vaters, den er nie kennen gelernt hat, nachspürt, bemerkt die Rezensentin einfühlsam, wobei sie angetan feststellt, dass sich Pollack bei seiner Recherche weder in "Lakonie" noch in "Selbstmitleid" verliert. Was diese Dokumentation aber so außerordentlich "interessant" macht, ist die Tatsache, dass sie s über die Person des Vaters hinausgeht und eine deutsche Laufbahn schildert, wie sie tausendfach im Nazi-Deutschland stattgefunden hat, lobt die Rezensentin.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2004
Ziemlich mitgenommen scheint Rezensent Andreas Breitenstein von Martin Pollacks Versuch, den eigenen Vater, den SS-Sturmbannführer und Kriegsverbrecher Gerhard Bast, als Person zu rekonstruieren und zu verstehen. Dazu krallt sich Pollack an jedem Detail fest, dessen er habhaft werden kann, in der Hoffnung auf Erhellung. Doch der Versuch scheitert, denn Pollack sieht sich letztendlich außerstande, "Lebenslust und Vernichtungswahn, den Familienmenschen und Verbrecher gedanklich zusammenzuführen". In den Augen des Rezensenten macht aber gerade dieses "offene Scheitern im Verstehen" die Größe von Pollacks "intimem Versuch über Gewalt", von diesem "Stück desperater Geschichtsschreibung" aus, "auch literarisch". "Der Tote im Bunker", so das Fazit des Rezensenten ist ein "kühnes Werk voll Zärtlichkeit und Schmerz", das dem "doppelten Anspruch" des "heißen Herzens" und des "kalten Auges" gerecht wird und ohne Lehre bleiben muss.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.08.2004
Durchaus angetan zeigt sich Julia Encke von Martin Pollacks Buch "Der Tote im Bunker", in dem sich der Autor auf die Suche nach seinem Vater begibt. Dieser, ein Jurist und Nationalsozialist der ersten Stunde, Gestapokarrierist und Kriegsverbrecher wurde 1947 in einem Bunker am Brenner unter ungeklärten Umständen ermordet als sein Sohn knapp drei Jahre war. Encke nimmt Pollacks Buch gegen Einwände, die gegen das neuerdings grassierende Genre des NS-Familienbuch vorgebracht wurden, in Schutz: Weder gehe hier um eine Suche, die "das Wiedergefundene in monumentaler Intimität" erscheinen lasse, noch um den bloßen Schreibanlass für einen narzisstischen Autor. Pollack verstehe sein Buch als "Bericht", als sachlich-nüchterne Investigation. Der Vater bleibe fremd, die Suche vergeblich. Denn was immer Pollack in akribischen Recherchen herausfinde, so Encke, "er dringt nicht ins Innere vor". Es bleibe bei der Äußerlichkeit des Schreckens: beim Daten- und Aktenwissen über Gerhard Basts steile SS-Karriere, über die von ihm überwachten Transporte von Juden in Konzentrationslager, über Hinrichtungen von Zwangsarbeitern und Massenmorde seines Sonderkommandos in Südrussland. Auch wenn Pollacks kriminalistische Suche in entscheidenden Punkten vergeblich bleibe, resümiert Encke, "der Bedeutung dieses klaren, kühlen Buches tut das keinen Abbruch."
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








