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Gunnar Decker
Rilkes Frauen oder die Erfindung der Liebe
Klappentext
Rainer Maria Rilke, der Mann, der die Frau suchte - und Frauen fand. In einem schwärmerischen Gedicht schreibt der zwanzigjährige Rilke: Die einzige Gnade, die er erflehe, sei die, dass seine Werke "ein zartes Echo in den Herzen hübscher Frauen" finden möchten. Für ihn sind die Frauen die "vollkommensten Formen", in die er seine Verse gießen kann. Rilke betet die so genannte "schöne Frau" an wie eine Madonna, die ihm helfen soll, die richtigen Worte zu finden. Eine Muse soll sie sein. Aber Rilke, der die Liebe idealisiert, ist gleichzeitig immer auf der Flucht vor ihr. Auf der vergeblichen Suche nach der einen Frau gewinnt er viele Frauen. Er wird zum Frauenverführer großen Stils. Beinahe ist er ein Gigolo, denn nicht sie leben von ihm, sondern er von ihnen. Er perfektioniert die Kunst, Geld zu nehmen und schöne Worte zu geben. In seinen Gedichten wird Rilke später jede dieser längst verblassten, verhinderten oder fast vergessenen Lieben neu erfinden. Und wenn sie nur noch Erinnerungsbild sind, gehören sie ihm ganz. Dann feiert er sie.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2004
Kaum ein Blatt nimmt Gunnar Decker vor den Mund, was die Frauengeschichten von Rainer Maria Rilke angeht, und auch die nicht gerade glückliche Figur, die der Dichter dabei abgibt, stellt er heraus. Rilke habe es geschafft, so in etwa die These des Bandes, aus durchweg narzisstischer Neigung zum Selbstmitleid so etwas wie unwiderstehliche Anziehungskraft aufs weibliche Geschlecht zu basteln. Deshalb gerät der Band zu einer "Biografie einer erotischen Selbstherrlichkeit" - und das wird Rilke durchaus gerecht, wie der Rezensent (Kürzel "Jdl") anerkennend feststellt. Auch gegen die oftmals "saloppe" Audrucksweise des Biografen hat er wenig einzuwenden, die Rede von der "gehobenen Eintänzermanier", mit der sich der Dichter von vermögenden Frauen aushalten ließ, scheint ihm ganz zutreffend.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.08.2004
Mit Rilke , so bekennt Rezensentin Katharina Rutschky, habe sie eigentlich noch nie was anfangen können. Bislang ist er ihr immer wie ein "Dichter für feine Damen" vorgekommen. Doch dank des Buches von Gunnar Decker fühlt sich Rezensentin Rutschky jetzt wieder bewogen, ihre "ererbte sechsbändige Insel-Ausgabe von 1927" hervorzukramen. Dabei befasst sich Decker in seinem Buch, das laut Rutschky "sorgfältig recherchiert" und "unterhaltsam" sei, weniger mit dem Lyriker, sondern eher mit dem "Damenmann" Rilke, sprich mit Rilkes vielen Affären und Verhältnissen. Häufig waren es nämlich die Frauen, die den mittellosen Dichter Rilke unterhielten. Für Rutschkys Befinden macht Deckers Buch das "lyrische Weltverhältnis" Rilkes erst so richtig deutlich. Und es rege dazu an, über die "psychlogischen, sozialen und historischen" Bedingungen von Rilkes Werk nachzudenken. In Deckers Buch vermisst die Rezensentin allerdings den tiefer gehenden Bezug auf diese Bedingungen: So habe Decker sich historische Einordnungen "erspart" und psychologische Faktoren "außer acht" gelassen. Stattdessen entdeckt Rutschky in Deckers Buch mitunter "platte Sexualpsychologie", gepaart mit einer übertriebenen "politisch korrekten Sichtweise". Aber zumindest mit Rilke ist Katharina Rutschky nachhaltig versöhnt und gibt sich überzeugt, dass Rilke mehr Bleibendes geschaffen habe, als nur eine "Handvoll 'Dinggedichte' über das Karussell, den Panther und die Flamingos".
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