Unter Mitarbeit von Steffen Alisch, Susanne Bressan, Monika Deutz-Schroeder und Uwe Hillmer. Das vereinte Deutschland erlebte in den letzten 13 Jahren mehrere rechtsextremistisch und antizivil motivierte Gewaltwellen. Darüber hinaus sympathisiert ein bisher allerdings eher kleiner Teil der Bevölkerung mit rechtsextremistischen Ideen. Angesichts der historischen Erfahrung mit dem mörderischen nationalsozialistischen System existiert in Deutschland zurecht eine besondere Sensibilität im Umgang mit diesem Thema. Allerdings besteht gerade deshalb die Gefahr, dass inder wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion die Problematik entweder verharmlost oder dramatisiert wird. Ausgehend von einer handbuchartigen Darstellung und Kritik der wichtigsten empirischen Untersuchungen und theoretischen Erklärungsansätze zu Rechtsextremismus und Jugendgewalt hat das Autorenteam vor dem Hintergrund der historischen Entwicklungslinien im geteilten und vereinten Deutschland in vier Kleinstädten in Niedersachsen, Brandenburg, Bayern und Thüringen eine umfangreiche standardisierte Befragung und gleichzeitig eine Vielzahl von Interviews mit Jugendlichen, Politikern, Sozialarbeitern und Jugendhelfern durchgeführt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004
Einigermaßen beeindruckt zeigt sich Eckhard Jesse von dieser umfangreichen Studie zu einem aktuellen Thema. Mit einem der gängigen Vorurteile räume der Band freilich gleich auf: eine signifikant größere Neigung zum Rechtsextremismus unter Jugendlichen lasse sich im Osten Deutschlands nicht feststellen. Untersuchungen, die anderes zu belegen scheinen, werden im vorliegenden Band, so jedenfalls der Rezensent, in "beeindruckender" Weise in Frage gestellt. Warum allerdings eine Testbehauptung wie "Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken" nicht als Umfrage-Indikator für Rechtsextremismus taugen soll, bleibt unerläutert. Interessant allemal die vom Wissenschaftler-Team um Herausgeber Schroeder erbrachten Ergebnisse: Als sehr viel weiter verbreitet denn wirklicher Extremismus erweisen sich Mangel an Toleranz und Indifferenz gegenüber der Demokratie. Und dies, überraschend genug, im Norden Deutschlands deutlich stärker als im Süden. Der Rezensent hält diese Studie offensichtlich für wichtig, kritisiert nur, dass sie mit "Tabellen und Grafiken überfrachtet" ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2004
Rezensent Harald Bergsdorf ist sehr angetan von dieser Studie. Autor Klaus Schroeder habe versucht, den Begriff Rechtsextremismus präziser zu fassen als das gemeinhin üblich sei. So unterscheide er strikt zwischen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Nach einer "ausführlichen Kritik" an "suggestiven" Befragungen habe Schroeder dann einen eigenen Fragebogen zusammengestellt, den er 1.000 Jugendlichen in vier Kleinstädten - "je zwei im Osten und Westen beziehungsweise Norden und Süden" - vorgelegt habe. Das Ergebnis findet unser Rezensent besorgniserregend: Fünfzig Prozent der Befragten seien nicht immun gegen rechtsextremes Denken. Trotz "diverser Wiederholungen" überzeugt die Studie den Rezensenten "durch methodische Seriosität und abgewogene Analyse, jenseits von Dramatisierungen und Verharmlosung".
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