Anlässlich des 200. Geburtstages von Ludwig Feuerbach (1804-1872) haben 15 Autoren, die aus dem gesamten freigeistigen Spektrum bzw. der Wissenschaft stammen, ihre Erkenntnisse in diesem hochaktuellen Sammelband vereint. Die fundierten wissenschaftlichen Beiträge bieten für jeden Lesegeschmack etwas. Sie entstammen den Fachbereichen Philosophie, vergleichende Religionswissenschaft sowie Geschichts- und Sozialwissenschaften. Im Mittelpunkt stehen die philosophisch begründete Religionskritik Feuerbachs, die Entwicklung seines aufklärerischen Denkens, seine gesellschaftstheoretischen und naturwissenschaftlichen Gedanken und sein anthropologischer Materialismus am Ausgang des klassischen Denkens. Darüber hinaus werden die realen Einflussnahmen Feuerbachs auf die demokratischen und geistigen Veränderungen seiner Zeit und der Zukunft behandelt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.07.2004
Rezensent Gert Lange nutzt die Besprechung des Sammelbandes über Ludwig Feuerbach, um nachdrücklich auf Feuerbachs Bedeutung hinzuweisen. Feuerbach habe, so Lange, "den Wandel von der Monarchie zur Demokratie geistig mit vorbereitet". Die Bilanz der Würdigungen zum zweihundersten Geburtstag des Philosophen findet Lange enttäuschend: Lediglich drei akademische Kolloquien, eine Biografie, eine Dissertation sowie eine "Sonderbriefmarke zum Wert von144 Cent". Aber wenigstens den vorliegenden Sammelband zum Thema "Religionskritik und Geistesfreiheit", entstanden auf Initiative des "Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften", findet Lange "aufschlussreich". Es wird in verschiedenen Beiträgen Feuerbachs Begründung eines Humanismus ohne Gottesbezug nachgezeichnet sowie deren Wirkung auf freireligiöse Bewegungen. Besondere "Akzente" hat der Rezensent im Beitrag von Eckhart Pilick entdeckt, der die Entwicklung der freireligiösen Gemeinden behandelt. Zunächst lobt Lange den Beitrag als "kenntnisreich", moniert aber, dass Pilick zum Beispiel Feuerbachs Bekenntnis zum Atheismus übergangen habe und auch dessen metaphorisches Religionsverständnis nicht "beachtet". Letzteres bedauert Lange als "Schwäche auch anderer Beiträge" des Sammelbands.
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