Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Sylvia List. Neues vom Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer: 27 Geschichten des großen Erzählers liegen hier erstmals auf Deutsch vor. So erzählt er von einem Handwerker, der eine Prostituierte heiraten will, oder von einem armen Klempner, der alles dafür gibt, um aus seinem Sohn einen Rabbi zu machen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2004
Als habe ihm der vor hundert Jahren geborene Isaac Bashevis Singer "eine naturbelassene Scheibe Leben" aufgetischt - so fühlte sich Wolfgang Schneider bei der Lektüre der nachgelassenen Erzählungen aus "Ein Bräutigam und zwei Bräute". Gar mit einem anderen Jubilar und ausgewiesenen Großen des Fachs, Anton Tschechow, vergleicht der Rezensent den Nobelpreisträger von 1978, der für seine Erzählungen aus dem Erfahrungsfundus seiner Kindheit schöpft, die er, als Sohn eines Rabbiners, in der jüdischen Gemeinde Warschaus verlebte. Thematisch sind die 27 Geschichten auf dem weiten Feld des Menschlichen-Allzumenschlichen angesiedelt, handeln von Ehebruch und -streitigkeiten, Prostituiertenhochzeiten und der alltäglichen Grausamkeit, die entsteht, wenn Menschen zusammenleben. Die Leute, allesamt einprägsame Charaktere, schütten bei ihrem Rabbi, der Seelsorge sowohl im spirituellen als auch im psychotherapeutischen Sinne versteht, ihr Herz aus, und der Sohn hört mit. Und zeichnet, sich erinnernd, ein "gleichermaßen von Komik und Respekt bestimmtes Vaterbildnis".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.07.2004
Egal, ob Isaac Bashevis Singer die Geschichte von der vernachlässigten Frau erzählt, die die Scheidung will, dem Mann, der seine Angetraute in aller Öffentlichkeit eine Hure schimpft oder dem Bäcker, der Klage erheben will - immer sind die Texte ein "Epitaph auf die untergegangene Schtetl-Kultur" des Ostens, schreibt Gabriele Killert begeistert. Mit den nun veröffentlichten Geschichten aus den 50-er Jahren, die bereits im "Forverts", einer jiddischen Zeitung, erschienen sind, setzt Singer auch seinem Vater und dessen Arbeit noch einmal ein "kleines Denkmal". Dabei schreibt er "ohne sprachliche Finesse, verfasst eine "schmucklose", aber sehr "leidenschaftliche" Prosa. Der Pathos Singers liegt nicht in der Sprache, sondern darin, die Fakten "demonstrativ" für sich sprechen zu lassen. Und so urteilt die Rezensentin: Wer Singer liest, erfährt, was es heißt, "von Metaphysik vollständig umhüllt zu sein "wie von einer Latexhaut".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.07.2004
Ulrich Baron findet Gefallen an den Geschichten dieses Erzählbands, der zum hundersten Geburtstag Isaac Bashevis Singers erscheinen ist. Der Autor war einer der letzten großen jiddischsprachigen Autoren, doch der Reiz seiner Geschichten ist nach Barons Meinung kein rückwartsgewandter: "Ihr Erfolg in der großen Welt beruht nicht nur darauf, dass sie eine Welt überliefern, die es nicht mehr gibt, sondern dass sie jene kleine beschreiben, um deren Ordnungen tagtäglich gerungen wird". Widersprüchlichkeiten, das "ja, aber" sind nach Ansicht des Rezensenten der "Quell aller Geschichten" bei Singer und so treffe der Leser auf einen "Mikrokosmos voller verknäuelter Lebenslinien".
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Uangenehm plausibel
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