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Wenedikt Jerofejew
Aufzeichnungen eines Psychopathen
Klappentext
Aus dem Russischen von Thomas Reschke. Mit einer editorischen Notiz von Sergei Gladkich. Die Aufzeichnungen bringen dem Leser in berührender Weise den Autor von "Die Reise nach Petuschki" in all seiner Zerrissenheit und Größe nahe. In einer Zeitspanne von knapp zwölf Monaten verfasst, stellen die "Aufzeichnungen eines Psychopathen" das zugleich traurige und beißend komische Werk eines jungen Mannes dar, der sich auf die Suche nach Liebe und nach sich selbst begibt. Der Rat von einem guten Freund seines Vaters begleitet ihn auf seinem Weg: "Fühlen muss man klug, nicht mit dem Kopf, aber klug."
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2004
Mit einiger Faszination (und manchmal auch schaudernd) ließ sich Kerstin Holm von Wenedikt Jerofejews Tagebüchern "durch die unappetitlichsten Niederungen unseres molekularen Daseins" tragen. Die Aufzeichnungen dieses Philosophen des Alkoholismus erlebte die Rezensentin als "Visionsstrom", der feste Verankerungen im schnöden Diesseits vermeiden würde. "Absprungrampe" in diese Flugübungen eines Bewusstseins, das "seinen orientalisch anmutenden Widerwillen gegen das spätsowjetische Erdengefängnis" durch systematischen Suff therapiert habe, sind aus ihrer Sicht die späten Fünfziger Jahre, als das Ende des stalinistischen Heroismus gekommen war. Mit Hingabe sieht die Rezensentin den bekennenden Alkoholiker aus dem sowjetischen Askeseparadies in gärenden Urschleim entkommen und sich Dreckpfützen suhlen. Leider verspinnt Jerofejew für ihren Geschmack in seinen Texten allerdings zu viel leeres Stroh zu größenwahnsinnigem Gold.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.08.2004
"Wie hat es dieser versoffene, verbockte Literatur-Junkie geschafft, das System zu überleben?". Das müsste sich nach Meinung von Rezensentin Sonja Zekri eigentlich jeder Leser nach der Lektüre von Wenedikt Jerofejews Tagebuchaufzeichnungen schockiert fragen. In "finstersten Farben" und "magenumstülpendem Realismus" schildere Jerofejew nämlich seine harte Jugend in der russischen Provinz Ende der fünfziger Jahre. Dreizehn Monate umfassen seine Aufzeichnungen, Jerofejew steht gerade am Anfang seines steilen "Wegs nach unten". Auch wenn es wieder nur um "Schreckliches Leben, Daneben-Benehmen, Suff" gehe, also um Themen, die momentan "haufenweise" in der russischen Literatur zu finden seien - Jerofejew ist laut Zekri "anders". Denn als diese Aufzeichnungen entstanden, war die Drastik "noch keine literarische Pose, sondern eine Enthüllung". So seien auch die Aufzeichnungen Jerofejews überhaupt nur erhalten, weil sie der KGB zweimal bei "Hausdurchsuchungen übersehen" hatte. Abgesehen davon ist Rezensentin Zekri von Jerofejews Sprachgewalt beeindruckt und lobt den "eleganten Sprachwitz" und den "wiegenden Rhythmus" (leider verliert sie kein Wort über die Übersetzung). Hier zeige sich, so befindet Zekri, der "kommende Virtuose". Ebenso zeige sich auch die Tragik in Jerofejews Leben, der dank seiner "Totalverweigerung des Systems" von der Universität flog und sein Leben als "Heizer, Leerguthändler" und Autor "nie gedruckter Werke" zu fristen hatte. Folglich, so bemerkt Zekri, sind diese Aufzeichnung nicht nur brüllend komisch, sondern auch "todtraurig".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2004
Ein Roman ist es nicht, erklärt Ilma Rakusa, auch nicht wirklich ein Tagebuch, sondern ein "buntes Gemisch von Selbstgesprächen, Erzählungen, Notaten und dokumentarischen Skizzen" und einiges mehr. In jedem Fall, verspricht die enthusiastische Rezensentin, wird der Leser "wundersame Überraschungen" erleben. Jerofejews Aufzeichnungen erinnern nicht nur im Titel an Gogols "Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen", schreibt Rakusa, aber Jerofejews Text ist mehr von "Größenwahn und Schwermut" geprägt. Er erzählt nicht nur von der eigenen Befindlichkeit, sondern vom Zustand der russischen Gesellschaft in den fünfziger Jahren. Hingerissen beschreibt Rakusa das rhetorische Register über das Jerofejew verfügt: "Es wird hysterisch gelacht ('hä-hä-hä', 'hia-hia-hia', 'hi-hi-hi'), vulgär geschimpft und elegisch gejammert, der delirante Furor bedient sich der Hyperbel, um rasend komische Szenen zu entwerfen, und gerät die Sinnkohärenz ins Wanken und der Wortfluss ins Stocken, regiert die Lakonie von Sätzen wie: '. . . aber ich will ja nicht, dass ich will . . .' oder 'Geht das denn - zu zweit allein?'." Unbedingt lesenswert!
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