Die Essays dieses Bandes schlagen eine neue Deutung der Philosophie Adornos vor. Gemeinsam weisen sie auf das positive Zentrum seines negativen Denkens hin. Dieser normative Kern liegt in einer ebenso originellen wie eigenwilligen Theorie der kontemplativen Aufmerksamkeit, in der sich Motive der theoretischen Philosophie, der Moraltheorie und der Ästhetik aufs engste verbinden.
Eberhard Ortland scheint diesem Band einiges abgewinnen zu können, in dem der Philosoph Martin Seel Theodor W. Adorno gegen Liebhaber und Verächter gleichermaßen verteidigt. In den hier versammelten Aufsätzen und Vortägen knüpfe Seel an das Lob der Betrachtung an und zeige dabei, dass sich hinter Adornos "verzweifelt revolutionären Gestus " nicht nur negative Dialetiker verberge, sondern auch ein durchaus positives Moment: "die Erfahrung des Glücks in der Kontemplation", wogegen der Rezensent in seiner Kürzest-Kritik keine Einwände erhebt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2004
Gegen hergebrachte Lesarten, die Theodor W. Adorno vor allem als Denker der Negation verstehen, setzt Martin Seel seine eigene Deutung, die den Philosophen im Kern als Denker der "Kontemplation" betrachtet. Darin liege die von Adorno selbst freilich selten herausgekehrte positive Seite seines Denkens, meint Seel, das darauf ausgerichtet sei, den "Sinn für die Besonderheit des Daseins von Menschen und Dingen" zu wecken. Die Haltung, die sich daraus ergibt, ist einer "bewahrenden desinvolture", eines Abstands mit Respekt. In der kurzen Rezensionsnotiz enthält sich Rezensent "upj." jeden eigenen Kommentars zu Seels Lektürevorschlag.
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