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Marcel Proust
Sur la lecture - Tage des Lesens. Faksimile und Begleitband
Mit Transkription, Kommentar und Essays
Klappentext
Herausgegeben von Jürgen Ritte und Reiner Speck. Limitierte Auflage von 1300 Exemplaren. Zwei Bände in Schmuckkassette. Eine Handschrift von Marcel Proust zu besitzen, davon träumen nicht nur begeisterte Proustianer. Selten erscheint uns ein Kunstwerk so zugänglich, sein Gehalt so zum Greifen nahe wie im Prozeß seiner Entstehung. Mit diesem Faksimile legt der Suhrkamp Verlag eine Rarität vor: Es handelt sich um ein 48 Seiten umfassendes Schulheft, eines von Prousts berühmten "cahiers".
Der Autor hat dieses Heft in jeder erdenklichen Weise vollgeschrieben, er hat jeden freien Raum mit Notizen und Zeichnungen ausgefüllt. Entstanden ist dabei der Entwurf zu einem seiner bedeutendsten Essays: "Sur la lecture - Tage des Lesens". In diesem Aufsatz sucht Proust Geheimnis und Faszination des Lesens - "dieses fruchtbaren Wunders einer Kommunikation im Herzen der Einsamkeit" - zu entschlüsseln und setzt sich mit der Frage auseinander, ob und wie aus dem Umgang mit Literatur Literatur entstehen kann.
Proust veröffentlichte den Essay in seiner endgültigen Form erstmals 1906 als Vorwort zu seiner Übersetzung von Ruskins "Sesame and Lilies". Die Handschrift des Entwurfs befindet sich heute im Besitz des Sammlers und Vorsitzenden der Marcel Proust Gesellschaft Reiner Speck. Diese Urfassung wurde bislang, auch in Frankreich, noch nicht publiziert.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2004
"Reizvoll" findet Hubert Spiegel die von Jürgen Ritte und Reiner Speck herausgegebene Faksimile-Ausgabe von Marcel Prousts Essay über das Lesen. "Wunderbar aufgehoben" stecke das transkribierte, kommentierte und mit einem Essay von Reiner Speck versehene Manuskript in einem Schmuckschuber aus Leinen und mit Marmorpapier bezogenem Karton. Die "vollgekritzelten Blätter" sind durchaus typisch für den Schreibstil Prousts, der auf alles schrieb, was in Reichweite war und die Niederschrift und Ordnung der Manuskripte seiner Haushälterin Celeste überließ, wie Spiegel zu berichten weiß. "Geradezu außergewöhnlich" jedoch sei der editorische Aufwand, den der Schriftsteller mit diesem Text betrieben habe. Die vorliegende ist "vermutlich" die erste Fassung des oftmals umgearbeiteten Textes, wie der Rezensent glaubt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.06.2004
1994, erzählt Rezensentin Ina Hartwig, fand Reiner Speck in einem Pariser Antiquariat ein englisches Schulheft, das den handschriftlichen Erstentwurf von Prousts Essay "Über das Lesen" enthielt, der 1906 als Vorwort zu John Ruskins "Sesam und Lilien" diente. Wie die Rezensentin amüsiert bemerkt, wird Ruskin von Proust in seinem Vorwort nur an einer Stelle erwähnt. Doch erstens könne man dies als nachahmendes Augenzwinkern deuten - schließlich habe Ruskin selbst seine Themen nie direkt behandelt - und zweitens setze sich Prousts Essay mit der (auch) für Ruskin zentralen Frage "Wie lässt sich die Kunst mit dem Leben versöhnen?" auseinander. Prousts antworte darauf mit einer "kleinen Philosophie des Lesens". In diesem kleinen Essay wird für die Rezensentin deutlich, dass die kritische Auseinandersetzung mit Ruskin ein zentraler Bestandteil des verschlungenen Schaffensweges zur Recherche darstellt, ja, dass es ohne Ruskin keine "memoire involontaire" gegeben hätte. Insgesamt findet sie die vorliegende "kostbare Ausgabe" sehr gelungen, weniger aufgrund der luxuriösen Aufmachung, als vielmehr weil sie neben der französischen Endfassung - und deren Übersetzung ins Deutsche - auch das Faksimile des Erstentwurfs und abermals deren Übersetzung liefert. Gerade das Faksimile biete wunderbaren Einblick in die für Proust so typische "Unordnung auf dem Papier und Ordnung im Kopf", die erspüren lasse, wie schon "im Chaos des ersten Entwurfs" das Glück des Schaffens erstrahle - nicht in der "Vollendung", sondern im "Enstehen". Schließlich wird auch Jürgen Rittes einleitender Kommentar als "ebenso elegant wie instruktiv" gelobt.
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