Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt. Die Reichweite empirischer Erklärungen für phänomenale Bewusstseinszustände wie Schmerzen oder Farbempfindungen gehört gegenwärtig zu den umstrittensten Problemen in der Philosophie des Geistes, aber auch in den Neuro- und Kognitionswissenschaften. Zur Diskussion steht nicht nur, wie die Entstehung von Bewusstsein aus der Aktivität simpler Neuronen erklärt werden kann; fraglich ist vielmehr, ob hier überhaupt eine Erklärung möglich ist. Unlösbar dürfte das Problem vor allem dann erscheinen, wenn man nach den geheimnisvollen Eigenschaften sucht, die Neuronen dazu befähigen, Schmerzen zu »produzieren«. Wesentlich mehr Erfolg, so zeigt Pauen, verspricht hier eine weiterentwickelte Form der klassischen Identitätstheorie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2001
Manuela Lenzen findet die Strategie des Autors, das menschliche Bewusstsein aus der Identität von "Gehirn und Geist" zu erklären, durchaus "verlockend". Damit werde das Problem aus der Welt geschafft, neben den Neuronen noch einen bisher nicht gefundenen "mind stuff" für das Bestehen von Bewusstsein verantwortlich machen zu müssen. Die Rezensentin referiert kenntnisreich, wenn auch für den in der Materie Unbewanderten nicht immer ganz verständlich, die Ansätze Pauens für die Analyse "sogenannter Erlebnisqualitäten", die bereits einen Hinweis auf ihre enge Verbindung zu körperlichen Erscheinungen geben. So sei beispielsweise das Zittern nicht Folge der Furcht, sondern ein Teil von ihr, was die Identitätstheorie stützen könnte. Als problematisch allerdings sieht Lenzen Pauens Erklärungsstrategie dort, wo es sich um Bewusstsein handelt, das sich deutlich von "biologischen Wesen" unterscheidet, wie zum Beispiel Marsmenschen und Robotern. Denn, so die Rezensentin, es sei ja durchaus denkbar, dass auch Wesen mit vom menschlichen Nervensystem verschiedenen Organen Schmerzen empfinden könnten und dieses Schmerzempfinden lasse sich dann nicht mehr mit der Gleichheit von Gehirn und Bewusstsein erklären.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2000
In einer Doppelrezension bespricht Michael Hampe zwei Bücher, die sich mit dem Verhältnis von Hirn und Bewusstsein befassen.
1.) John Horgan: "Der menschliche Geist" (Luchterhand-Verlag)
Der Autor ist dem Rezensenten schon früher "unangenehm aufgefallen". Ihm missfällt auch hier Horgans "aberwitzige" Forderung nach einer universalen Theorie und seine Verleugnung von Erkenntniserweiterungen, die auch ohne diese Theorie in den einzelnen Disziplinen möglich sind. Außerdem habe sich Horgan mit seiner Abhandlung übernommen. Denn dadurch, dass er viele Disziplinen (von der Neurologie über Künstliche Intelligenz, Psychoanalyse bis hin zur Neurochemie u. a.) beleuchten will, bleiben nach Hampe "groteske Oberflächlichkeiten" nicht aus.
2.) Michael Pauen: "Das Rätsel des Bewusstseins" (Mentis-Verlag)
Wesentlich besser als Horgans "Der menschliche Geist" schneidet dieses Buch im Urteil des Rezensenten ab. Hampe weist darauf hin, dass Pauen die Identitätstheorie vertritt, nach der "Bewusstseinszustände und Hirnzustände identisch" sind, aber dass der Autor auch andere Theorien gelten läßt. Hampe gefällt, wie selbstkritisch Pauen seine Theorie erläutert und verschiedene konkurrierende Strategien vergleicht. Anders als Horgan suche er nicht nach einem "Knock-down-Argument", was der Rezensent sehr sympathisch findet. Darüber hinaus lobt er Pauens Nüchternheit bei der Herangehensweise an die Thematik.
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