Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Italienischen übersetzt von Moshe Kahn. Vorwort von Ralph Giordano. "Impressionen aus einem bewegten Leben" könnte der Untertitel lauten zu den fünfzig kurzen Geschichten des ehemaligen Oberbürgermeisters von Palermo. Leoluca Orlando erzählt darin von seinen beeindruckenden Begegnungen mit den Großen aus Kultur und Politik und von Begebenheiten rund um den Globus. In einem Hotelzimmer in Rom streitet er sich mit Fidel Castro darüber, wie man den Papst zu begrüßen hat. Mit dem Fischer Peppuccio unterhält er sich auf dem Markt über den Wert der sizilianischen Sprache, und mit Hans Georg Gadamer kann er nicht mithalten, wenn dieser an seinem hundertsten Geburtstag zwei Liter Rotwein trinkt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.02.2005
Nach ihrem literarischen Wert möchte Rezensentin Kristina Maidt-Zinke die Aufzeichnungen des ehemaligen Bürgermeisters von Palermo und Antimafia-Kämpfer Leoluca Orlando lieber nicht bewerten - "erschütternd unlektoriert" sei die Übersetzung. Und dennoch ist sie begeistert von der Anekdoten-Sammlung dieses Helden der Zivilcourage. Hier hat einer etwas zu erzählen, das interessiert die Welt! Das Charisma des politischen Visionärs, der noch immer auf der Todesliste der Mafia steht, hat sie ebenso fasziniert wie die "liebenswürdige" Egomanie des unerschrockenen Sizilianers. Die Erzählungen stehen ungeordnet nebeneinander, sind sprunghaft und impulsiv und wahlweise mit und ohne Pointe. Doch die Wirkung der Texte liegt auch weniger im Politisch-Analytischen als vielmehr in der dichten Atmosphäre, findet die Rezensentin. Und kann gar nicht anders, als nach der Lektüre wieder an das Gute zu glauben: Auch ein Berlusconi kann Italien nicht zugrunde richten, solange es Menschen wie Leoluca Orlando gibt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2004
Leoluca Orlando hat sich als Universitätsprofessor, Anwalt und Oberbürgermeister von Palermo einen Namen gemacht - seine Autobiografie "Ich sollte der nächste sein" berichtete auch ausführlich von seinem Kampf gegen die Mafia. Gewissermaßen den fiktiven Anschluss an diese Lebensbeschreibung stelle nun "Der sizilianische Karren" dar, eine Sammlung von "kurzen und längeren Erzählungen" aus Orlandos Heimat, die, wie der als rox zeichnende Rezensent befindet, "die Schönheiten" ebenso wie "die Bitternis" Siziliens darstelle. Im Mittelpunkt stünden "menschliche Begegnungen", etwa mit Fidel Castro. Mit dem stritt der Autor darüber, "welches die richtige Art und Weise sei, den Papst zu begrüßen" - für den Italiener war klar: indem man seinen Ring küsst. Der stolze Revolutionsführer jedoch insistierte, "ein kurzer Händedruck genüge vollauf". Der Beharrlichkeit Orlandos ist es zu verdanken, dass Castro damals die Hand von Johannes Paul II. "wenigstens mit beiden Händen" ergriffen hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2004
Sehr angetan zeigt sich Rezensent Winfried Wehle von Leoluca Orlandos Band "Der sizilianische Karren", einem "schriftlichen Album mit bewegten, berührenden, witzigen Momentaufnahmen von einem, der auszog, das Leben ein bisschen lebenswerter zu machen". Mehr noch als von Orlandos Geschichten scheint Wehle von dessen Leistungen als Bürgerrechtler und Politiker beeindruckt, denen er den Großteil seiner Rezension widmet: Als Mafiagegner seit langem auf der Todesliste hat Orlando, von 1985 bis 2000 Bürgermeister Palermos, das kaum Glaubliche in die Wege geleitet: die "politische und zivile Renaissance" dieser verrufenen sizilianischen Stadt. Wehle würdigt Orlandos Integrität und seinen Einfallsreichtum im Kampf gegen die Mafia. So verwandelte sich Orlando etwa in einen Schauspieler, der für den Film "Gezählte Tage" 1994 einen Preis als bester Darsteller erhielt, machte aus Palermo ein Zentrum der Theaterkultur, schrieb Chansons, Drehbücher und Erzählungen. Im vorliegenden Band dominiere das Autobiographische, wobei Privates und Familiäres immer wieder zu Vorlagen fürs Politische werden. Wehle sieht in dem Band zudem ein "sichtbares Lebenszeichen" Orlandos mit der Botschaft, dass man organisierter Unmenschlichkeit auch entgegentreten kann.
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