Bücherschau der Woche
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Klappentext
Mit einem Nachwort von Wilhelm Genazino. Wirtschaftswunderland Deutschland, die fünfziger Jahre: in einem ruhigen, fast vormodernen Land arbeitet ein junger Mann, Student in einer Kleinstadt, in einem Sägewerk. Um der Arbeit im Maschinentakt zu entkommen, flieht der junge Mann in die Natur, die ihm aber zusehends fremd wird. Die zeitlose Geschichte eines Menschen im Konflikt mit Fortschritt und Technik.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.09.2004
"Ein Ende zur rechten Zeit", schreibt Ulrich Rüdenauer, ist ein schwärmerisches Frühwerk und birgt als solches nur den Keim der Meisterschaft, die Jahrzehnte später zum Ruhm des literarischen "Eigenbrötlers" Johannes Kühn führen sollte. Trotzdem habe diese Veröffentlichung zum siebzigsten Geburtstag des Autors ihren Wert. Einmal lässt sich, schreibt Rüdenauer, "nachvollziehen, was den jungen Johannes Kühn umtrieb und auf sein Schreibgleis setzte", von dem er dann, auch wenn er lange nicht gewürdigt wurde, nicht mehr abzubringen war; die Motive seiner Lyrik waren hier schon vorhanden. Zum anderen habe es der Leser hier mit einem "Öko-Roman avant la lettre" zu tun: Die Natur ist Quell der sprachlichen Bilder, und sie ist bedroht. Kühn lasse sein narratives Alter Ego "sensibel an den hybriden Erscheinungsformen seiner Zeit" - den 50er Jahren - leiden, und zwar mit dem Pathos des jungen Poeten. "Der Stil scheint direkt aus der Oberprima zu kommen, wo man Hölderlin, Goethe und die antiken Klassiker gelesen hat" und erschien dem Rezensenten auf Dauer schwer erträglich. Dennoch: ein interessantes, aufschlussreiches Buch.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.06.2004
Hans-Herbert Räkel jubelt: "Ein literarischer Glücksfall und zugleich ein authentisches Dokument der fünfziger Jahre"! Als junger Mann habe Johannes Kühn Erlebnisse seiner Studienzeit aufgeschrieben - "Ein Ende zur rechten Zeit" ist also eine biografische Erzählung, doch zugleich, so Räkel, Zeugnis einer Wahlverwandtschaft zu den beiden Figuren der deutschen Literatur, die das Erfahrungsfeld "Jugend" radikal durchgespielt haben: Goethe und Werther. Wie Werther leidet und labt sich der Erzähler an seiner Liebe zu einer von fern Angebeteten, wie dessen Schöpfer aber entscheidet er sich schließlich für das Schreiben. Und obgleich sie aus der Feder eines noch unfertigen Autors stammt, leistet diese Erzählung dem Rezensenten zufolge in seiner "archaischen Syntax und seinen poetischen Gewagtheiten" überaus Erstaunliches; vor allem aber schaffe er es, "die typische Spannung moderner Jugendlichkeit bewusst zu machen: sich selbst absolut zu setzen und zugleich Ohnmachtserfahrungen zu machen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2004
Johannes Kühn stammt zwar aus einer Bergarbeiterfamilie, ist aber kein Grubenarbeiter geworden, sondern Lyriker und Schriftsteller, und als solcher ist er dank Ludwig Harig, Peter Rühmkorf und Rainer Kunze mittlerweile auch bekannt, verkündet Walter Hinck. Um so mehr erstaunt den Rezensenten zunächst, dass der Hanser Verlag nun mit einer bald 50 Jahre alten Erzählung Kühns aufwartet, die Hinck zwar beeindruckt, aber für ihn noch lange keinen Anlass gibt, Kühn als den großen Erzähler auszurufen. Autobiografische Züge sind für Hinck nicht zu übersehen. Wie Kühn als Student arbeitet der Ich-Erzähler während der Ferien in einem Sägewerk am Fließband, erträgt die Arbeit mehr schlecht als recht, wird Zeuge eines Arbeitsunfalls und schmeißt am Ende den Job hin; gegen die Maschinenwelt und die zeitgleich stattfindenden Atombombenversuche in Nevada und im Pazifik stehen der Reichtum der Natur und die Magie der Landschaft, so Hinck. Ein schönes, kraftvolles und zugleich melancholisches Stück lyrischer Prosa, lobt Hinck, das den künftigen Lyriker Kühn ahnen lasse.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.04.2004
Sein "Reifezeugnis" hat der Dichter Johannes Kühn jetzt nachgereicht, nachdem das Publikum "zuerst den ausgereiften Dichter" kennen gelernt hat. Mit seiner neuen Erzählung vom Bergmannssohn, der die Natur der Technik vorzieht und in der modernen Welt keine Heimat finden kann, sei Kühn durch eine "sentimentalische Krise" gegangen, schreibt Rezensentin Gabriele Killert. Fremd klinge der "hohe Ton der Begeisterung", den der Autor anschlage, fremd wirke dieses "stille absichtslose Gegenmanifest" gegen das Maschinenzeitalter. Doch die Einsicht, dass am Ende selbst dem Unschuldigsten keine Unschuld gegeben ist, sei notwendig für die Entwicklung Kühns. Denn sonst, betont die Rezensentin, hätte das Risiko bestanden, ein "lyrischer Rosenzüchter" zu werden, der sich auf den "Holzweg in die ästhetische Provinz" begibt.
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