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Klappentext
Helene Weigel, am 12. Mai 1900 in einer jüdischen Familie in Wien geboren, hat viele Spuren ihres Lebens, aber auch viele Quellen ihrer Kunst meisterhaft verwischt. Schlichtheit und Schweigen gehörten zum raffinierten Arsenal dieser einmaligen Schauspielerin. Sabine Kebir, bekannt durch Studien zum Umfeld Brechts, ermittelte aus Hunderten von Zeugnissen, bis hin zu Stasi-Akten, die nachhaltigen Eindrücke, die die Weigel bei Publikum, Kritikern und Kollegen hinterließ. Aus diesen Recherchen rekonstruiert sie das Bild einer ungewöhnlichen Frau, die sich in ihrer Kunst und in ihrem Leben als couragierte Avantgardistin weiblicher Emanzipation behauptete.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.05.2000
Hiltrud Häntzschel fällt vor allem eines an dieser Biografie auf: Die apologetische Herangehensweise der Autorin. Zwar erwähnt die Rezesentin nicht ohne Anerkennung die große Menge an Material, das Kebir ausgewertet hat. Allerdings zählt Häntzschel verwundert zahlreiche Beispiele auf, wo die Autorin ihrer Ansicht nach zu sehr "ihre schützende Hand über ihre Helden" hält: Dies betrifft unter anderem die hier relativierte Parteinähe Helene Weigels, die Nicht-Erwähnung der staatlichen Auszeichnungen, Kebirs Sicht von Brechts Treueverständnis und seiner Allein-Autorschaft (es sei denn, das Gegenteil ist eindeutig bewiesen). Bisweilen lese sich die Biografie als eine "einzige Widerstandsgeschichte", resümiert Häntzschel.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2000
Kuriose Rezension. Man könnte Friedrich Dieckmanns Kritik der vier Bücher, die zu Helene Weigels 100. Geburtstag (12.5.00) erschienen sind, zu einem Rätsel zusammen fassen: Das zweitschwerste Buch wiegt 1060 g. Das schwerste (1400 g) ist nicht das gewichtigste, das leichteste (380 g) leicht auf respektable Weise. Das vierte Buch schließlich (590 g) ist schwerer als das leichteste und gewichtiger als das schwerste. Ordnen Sie den Gewichten die Titel zu, und benutzen Sie keine Waage!
1) Werner Hecht: "Helene Weigel. Eine große Frau des 20. Jahrhunderts" (Suhrkamp)
Dieses Buch setzt der Weigel ein "Denkmal", meint Dieckmann, hebt aber hervor, dass Suhrkamp auch allen Grund dafür hat. Immerhin hat Helene Weigel nach dem Tod ihres Mannes den Universalvertrag mit Suhrkamp erneuert und damit alle "Kontrollambitionen der SED" unterlaufen. Besonders "bedeutsam findet Dieckmann an dem Band ein Gespräch, das Werner Hecht, Brecht-Editor bei Suhrkamp, 1969 mit Helene Weigel geführt hat.
2) "Helene Weigel". Fotografien von Vera Tenschert (Henschel)
Hier beeindrucken Dieckmann vor allem die abgebildeten "Interieurs", schöne alte Möbel vor neutralem Hintergrund: "Eine ganze Intellektuellengeneration hat so gelebt". Aber der Fotoband zeige auch die "vielen Facetten des Matriarchats", das Helene Weigel nach Brechts Tod am BE aufgezogen hat.
3) Carola Stern: "Männer lieben anders" (Rowohlt Berlin)
Dieckmann lobt die "Mischung aus Bekümmert- und Unbekümmertheit", mit der Stern die Ehe Brecht/Weigel nacherzählt. Vor allem ihr Sinn für die "psychischen und sozialen Voraussetzungen" dieser Ehe imponiert ihm. Zu diesen Voraussetzungen zählt Dieckmann die Androgynität der Weigel und die Herkunft beider aus dem Kleinbürgermilieu.
4) Sabine Kebir: "Abstieg in den Ruhm" (Aufbau)
"Gründlich" ist das Buch und "fesselnd" erzählt, beginnt Dieckmann seine Anmerkungen, um dann seine Kritik zu äußern: vor allem die Idealisierung der Weigel, bei der sich die Autorin in "Phraseologie" versteige, mißfällt ihm. Auch die "Entschärfung" der Beziehung Weigels zum deutschen Partei-Kommunismus findet er unangemessen. Dies schmälere jedoch nicht die Bedeutung des Buches: "Zu seinen Verdiensten gehört es, die geistigen Grundlagen der Haltung zu veranschaulichen, die die Weigel an Brechts Seite zu einer überlegenen Rolle finden ließ". Dennoch könne eine Detailüberarbeitung nicht schaden.
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