Tim Pears

Wach auf!

Roman
Cover: Wach auf!
Berlin Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783827005205
Gebunden, 251 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Schulte. Zwei Brüder, John und Greg, sind erfolgreiche Geschäftsleute. Sie haben den Gemüsehandel ihres Vaters in ein großes Unternehmen verwandelt. Aber John will mehr. Gemeinsam planen sie den nächsten Schritt, die genetische Veränderung der Produkte...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.10.2004

Tilman Urbach kann dem Roman des britischen Autors Tim Pears nicht viel abgewinnen. Trotz so gewichtiger Themen wie Gentechnik, Globalisierung und Inzest wird dieses Buch "keinen bleibenden Eindruck hinterlassen", prophezeit der unzufriedene Rezensent, der die Gründe hierfür in der "umstandslosen Schilderung des Alltäglichen" sieht, die für Pears im Vordergrund steht und in der die dramatischen Ereignisse untergehen. Der Roman dreht sich um zwei Brüder, John und Greg, die den schäbigen Gemüsehandel ihres Vaters in ein florierendes Großunternehmen verwandeln und dabei keinerlei Rücksichten nehmen, fasst Urbach zusammen, parallel dazu werden die Eheprobleme und die inzestuöse Beziehung des Ich-Erzählers John zu seiner Schwester erzählt. Die Schilderungen haben allerdings die Tendenz, die "großen Themen" in die "Eintönigkeit des Gewöhnlichen" herunterzuziehen, beschwert sich der Rezensent. Ihm werden die "dünnen Allerweltsthesen", die der Autor allenthalben ausgibt "bald unerträglich". Überhaupt hat er den Eindruck, der Autor fahre in seinem Roman nur deshalb mit "allerlei Absurditäten" auf, wie beispielsweise der Massendiarrhöe auf einer Partie, die durch Pestizid verseuchte Erdbeeren hervorgerufen wird, weil er insgeheim um die "drohende Langeweile" seines Buches weiß.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2004

Auf der Londoner Ringstraße eine Abfahrt nach der anderen verpassend, gerät der Ich-Erzähler John in einen assoziativen Erinnerungsstrudel, berichtet Marion Lühe. Die zunächst wahllos anmutende Abfolge von Episoden aus Johns Kindheit, Jugend und Familien- und Berufsleben, die Tim Pears dem Leser vor diesem Hintergrund präsentiert, verdichte sich allmählich zur "geradlinigen Lebensgeschichte eines Emporkömmlings", der "am Ende immer noch die Kurve kriegt", so die Rezensentin: Unter Johns Händen gedeiht der Gemüseladen seines Vaters zum größten Kartoffelunternehmen Englands, dessen jüngster Coup eine gentechnisch manipulierte Kartoffelsorte werden soll. Zwar sei diese stets "beiläufig ironisch" erzählte Erfolgstory mitunter "etwas arg kartoffelllastig" und ermüde zuweilen mit "rührseligen Momentaufnahmen eines heiteren Familienglücks", in denen Pears wohl seine noch frischen Vaterfreuden verarbeite, lästert Lühe, insgesamt aber, lobt sie, gelinge dem Autor ein amüsant überzeichnetes, von "scharfen Beobachtungen" lebendes Porträt des britischen Alltags seit den siebziger Jahren.

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