Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Französischen von Rainer G. Schmidt. Lethierry, Reeder an der Kanalküste, stattet La Durande, eines der ersten Boote, die Saint Malo mit Guernesey verbinden, mit einem Dampfmotor aus. Das Schiff strandet aber wegen Eifersüchteleien der heimischen Seeleute. Wer wird sich aufmachen, den Motor zu holen? Nur der Fischer Gilliat, ein Einzelkämpfer, der von allen abgelehnt wird, ist dazu bereit, als Lethierry ihm die Hand seiner Tochter Deruchette verspricht. So beginnt ein regelrechter Kampf gegen das Meer und die, die es bevölkern! Ein Kampf aus Liebe..., eine Tragödie, ein Opfer!
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.08.2004
Ausführlich widmet sich Katrin Bettina Müller diesem in Deutschland eher unbekannt gebliebenen Roman von Victor Hugo, der nun in einer neuen Übersetzung auf Deutsch vorliegt. Bei den "Arbeitern des Meeres" handelt es sich, erklärt Müller, um den Abschluss einer Trilogie, in der sich Hugo mit den "drei Mächten" auseinandersetzt, "mit denen der Menschen zu ringen hat", zitiert die Rezensentin den Autor: nämlich Religion (siehe "Der Glöckner von Notre-Dame"), Gesellschaft ("Die Elenden") und Natur - in "Die Arbeiter des Meeres". Müller sieht jede Menge Verflüssigungselemente bei Hugo wirksam werden: da rauschen, wuchern und wogen die Metaphern, dass es kein Halten im Wortstrom gibt, da gibt es herrliche Naturbeschreibungen, schwärmt sie, in denen es naturgemäß um Wasser und noch mal Wasser geht, da setzt sich das Thema Wasser bis in die kleinste Verästelung der Sprache fort, die in ihrem Rhythmus, dem Wechsel der erzählerischen Perspektiven dem Wasser analog verfährt. Die Anverwandlung des Elementes Wasser durch den Autor geht so weit, meint Müller, dass selbst die Tuschzeichnungen Hugos ein verbindendes flüssiges Element zwischen Schriftbild und Sprache darstellten. Die Rezensentin ist also gewaltig ins Philosophieren gekommen, dazu lädt der Roman, der Abenteuerroman wie präzise Milieuschilderung in einem ist, auf aufregende Weise ein, behauptet Müller mit Überzeugung.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2004
Die Rezensentin Brigitte Kronauer schreibt, wie nur Schriftsteller über Bücher schreiben können - vor allem wenn ein Buch sie begeistert hat. Und bei Victor Hugos erstmals ungekürzt auf Deutsch erschienenem Roman "Die Arbeiter des Meeeres" ist dies uneingeschränkt der Fall. "Ungläubig" schaue der Leser, den Kronauer eher "Mitleidenden" nennen würde, ab und zu auf die zwei Buchdeckel, die nur zum Schein die "Konvention" des Buches nachspielen, und wundere sich. Denn dies ist kein Buch, so Kronauer: Es ist ein Orkan, in dem man "überspült und durchbraust" wird. Von Anfang an nehme der Roman - über alle Umwege hinweg - Kurs auf sein "magnetisches Kraftzentrum und Wahrzeichen", das "stolze" Dampfschiff Durande, das bei einem Sturm im Ärmelkanal von der Wucht der Wogen zwischen die zwei Türme der Douvresfelsen eingekeilt wird und dort "hoffnunglos" in der Luft hängen bleibt. Und "als er Schauplatz und Szene erreicht, verharrt er dort wie hypnotisiert fast zweihundert Seiten lang". Die "Hauptperson" des Romans ist demzufolge für Kronauer auch nicht Gilliatt, der zwei Monate lang wie besessen daran arbeiten wird, das Schiff aus seiner Lage zu befreien, sondern "der Abgrund", in den sowohl das Schiff als auch Gilliatt (wenn auch auf unterschiedliche Weise) letztlich stürzen. "Die Arbeiter des Meeres" beweist "mit Glanz, Orkan und Gloria, zu welchen archaischen Erschütterungen, ja Herrlichkeiten Literatur fähig ist", schließt Kronauer ihre uneingeschränkte Huldigung.
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