Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Undine Gruenter

Der verschlossene Garten

Roman

Cover: Der verschlossene Garten

Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN-10 3446204563
ISBN-13 9783446204560
Gebunden, 224 Seiten, 17,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Als Symbol für die träumerische Liebe zwischen einem Mann von sechzig Jahren und einer jungen Frau: solange ihre Liebe dauert, ist dieser Garten Paradies und Zeichen ihrer Zuneigung. Doch als ein junger Mann in ihr Leben eintritt, zerstört er die Einsamkeit des Gartens und somit die Liebe der beiden. Ein bezaubernder und zeitloser Roman über Liebe, Trennung, Verlassensein und dem Glück, das in der Erinnerung fortbesteht.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.06.2004

Einen wohltuenden Abstand zum "habgierig-ordinären" Erdenleben hat Rezensentin Verena Auffermann durch die Lektüre des Romans von Undine Gruenter gewonnen. Die Autorin hat ein Buch über die Liebe geschrieben, die nichts mit "amour fou", nichts mit Taumel zu tun hat, sondern die Sentimentalitäten "mit rationalen" Argumenten beiseite räumt, um dem wesentlichen Gefühl Platz zu machen. Mit der Geschichte des alt gewordenen Soudain, der in einem Garten sein Leben und die Liebe zu Equilibre niederschreibt, "denunziert sie die Liebe nicht", doch sie misstraut dem Pathos. Bewunderung zollt die Rezensentin Undine Gruenter dafür, dass sie sich "so gut in den Vorstellungen" ihres Erzählers auskennt. Ein "geistreiches Terzett", das nicht die Entzauberung zum Ziel hat, hat die Autorin geschrieben, dessen Veröffentlichung sie nicht mehr erlebt hat. Ein lesenswertes Buch und eine "unzeitgemäße, kluge Hinterlassenschaft".

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2004

Was Undine Gruenter aus dem klassischen Motiv des Gartens der Liebenden - dem "hortus conclusus" - macht, ist für die Rezensentin Andrea Köhler weitaus mehr als nur eine "Variation" auf Stendhals "De l'amour". Gruenters Protagonist Soudain ("plötzlich") errichte diesen Garten, um seiner Liebe zu einer jüngeren Frau namens Equilibre ("Gleichgewicht") zu frönen und "mit seinem Liebesentwurf dem Augenblick Dauer zu verleihen". Das dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist, liest die Rezensentin schon an Soudains Namen ab, doch letztendlich gehe es in diesem Roman eher darum, die Suche nach der Liebe aufzuzeichnen, in einem "Kaleidoskop der Erinnerung", vom Ende her aufgerollt. Besonders hat der Rezensentin das gefallen, was sie Gruenters "Unzeitgemäßheit" nennt, nämlich die Liebe als "Sprechen über die Liebe" zu zeigen, als Erotik, die nicht im Körper geboren wird, sondern "im Kopf". Denn in die Zweisamkeit der Liebenden bricht ein Dritter ein, und aus den "nächtelangen Gesprächen", aus der "mehr oder weniger eingestandenen Menage a trois" schält sich mit einer erstaunlichen Wendung das neue Paar heraus. Der Liebhaber wandele sich zum "eifersüchtigen Ehemann", der Ehemann zum "Beobachter", dem "alles vor Augen ablief, als stünde ich unter einer leichten Betäubung, die wie manche Vergiftung auch klarsichtiger macht" (Zitat Gruenter). Dass am Ende alle allein sind, in der "Einsamkeit des anderen" angekommen: darum geht es für die Rezensentin. Diese Einsamkeit sei der Ort, "um dessentwillen Undine Gruenter von der Liebe erzählt".

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2004

Rezensent Heinrich Detering spricht angesichts dieses nachgelassenen Romans euphorisiert von einem "Erlebnis": nicht was, sondern wie erzählt wird, macht für ihn das Faszinosum aus. Ein Schriftsteller, ein junges Mädchen und ein junger Mann erleben eine Menage a trois, an deren Ende jeder wieder alleine ist. Wie in Goethes "Wahlverwandtschaften" bildet für den Rezensenten ein Garten den natürlichen Schauplatz menschlicher Konflikte "und ein artifizielles Reagenzglas für die Chemie der Gefühle". Die Figuren sehen für Detering einmal wie selbstbestimmte Individuen, ein anderes Mal wie Elemente eines Experimentes aus "und beide Perspektiven behalten ihr Recht". Fasziniert beschreibt Detering, wie Gruenter scheinbar unversöhnliche Gegensätze ignoriert - "Sinnlichkeit und Intellektualität", eine poetische Sprache und Wörter wie "Scheidenpessar" - ohne dass ein "peinlicher Bruch" entstünde. Fast unverständlich ist es ihm, wie ein so durchkomponiertes, "derart auf Distanz und Diskretion angelegtes Buch" gleichzeitig so "anrührend" sein kann. Es liegt wohl an Gruenters Sprache, lassen seine Ausführungen schließen, an ihrer "nur selten und vorübergehend ins Preziöse oder Jargonhafte entgleitenden" Zartheit und Geschmeidigkeit.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2004

"Ebenso anmutig wie polemisch" rebelliert Undine Gruenters letzter Roman gegen die moderne Liebe, die durch das Diktat des Gefühls gekennzeichnet sei, analysiert ein verzauberter Lothar Müller. "Doppelbödig" sei der Roman, weil die Autorin ihre beiden Liebenden zwar in der Gegenwart ansiedele, aber in die "Atmosphäre des Anachronistischen" eintauche. Ebenso wie der männliche Protagonist ein Wiedergänger jener "Männer von Geist" sei, die im Frankreich des 18. Jahrhunderts die Liebe literarisch erforschten, ist für den Rezensenten die Form dieses Romans vom Geist der damals entstandenen Essays und Traktate durchtränkt. Ein "Winterroman", der nicht auf "Gefühlsunmittelbarkeit" setzt, sondern die Liebe aus der Distanz des Rückblicks beschreibt, lobt Müller.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2004

Ina Hartwig ist ebenso hingerissen wie mitgenommen aus der Lektüre von Undine Gruenters "wenn nicht bestem, so doch ergreifendsten Buch" aufgetaucht. "Der verschlossene Garten" ist nämlich auch Gruenters letzter Roman, den die bereits todkranke Autorin ihrem Mann diktiert hat; nach Hartwig kann man von den Entstehungshintergründen des Buchs kaum abstrahieren. "Der verschlossene Garten" handelt von einem Paar - er wesentlich älter als sie -, das sich von Familie, Freunden, Beruf, Arbeit und anderen Verpflichtungen frei in ein Haus mit Garten zurückzieht, so berichtet Hartwig, ein Experiment, das Libertinismus und Treue unter einen Hut zu bringen versucht und das letztendlich scheitert. Die freiwillige Gefangene bricht nach 6 Jahren aus und kehrt unter die Menschen zurück, so Hartwig, die den Roman trotz seines Schwelgens in Farben und Pflanzen eher für ein erzähltes Traktat hält, das mit seinen geschliffenen Aphorismen etwas von La Rochefoucault habe (allerdings nicht so bissig, meint Hartwig). Anders als in ihrem zuletzt erschienenen Erzählungsband "Sommergäste in Trouville" halte Gruenter auch nicht der französischen Gesellschaft den Spiegel vor; die Binnensicht bleibe die des aller Finanzsorgen enthobenen gehobenen Bürgertums. Dafür sei die Perspektive des Erzählers respektive der Erzählerin "ungemein zärtlich", der Ton sehr wehmütig, ein Buch, das für Hartwig in der Abgeschlossenheit der Liebe gegen das Sterben entstanden ist.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Eine iranische Liebesgeschichte zensierenShahriar Mandanipur: Eine iranische Liebesgeschichte zensieren
Aus dem Englischen von Ursula Ballin. Ein iranischer Schriftsteller ist es leid, immer nur düstere Romane ...

Buch: Dein Gesicht morgenJavier Marias: Dein Gesicht morgen
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. "Wollte Gott, dass niemand uns jemals um etwas bittet oder auch nur fragt, ...

Archiv: Bücherschauen

Vexierspielkünstler

20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren