Aus dem Spanischen von Michi Strausfeld, aus dem Französischen von Joachim Meinert und Bernhard Dieckmann. Parallel zu seinem erzählerischen Werk meldet sich Jorge Semprun - unbequem und beharrlich - immer wieder mit seinen Reden zu Wort. In diesem Buch werden, zum großen Teil erstmals in deutscher Sprache, seine wichtigsten vorgelegt - angefangen von der Römerberg-Rede 1986 (in der er die Einheit Deutschlands vorwegnahm) bis zur Rede zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 2003 im Deutschen Bundestag. All die großen Themen Sempruns klingen an: Erinnerung, Trauerarbeit, die zwei Totalitarismen, aber auch die aus seiner geographischen Lage und seiner historischen Erfahrung resultierende besondere Aufgabe Deutschlands in einem erweiterten Europa.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2004
Walter Haubrich zeigt sich von diesem Band mit Vorträgen, die der spanische Schriftsteller und Politiker zu verschiedenen Anlässen seit 1986 über Deutschland und die Deutschen gehalten hat, sehr eingenommen. In diesem Band ist "kein einziger überflüssiger Satz" enthalten, lobt der Rezensent begeistert. Er preist den Scharfsinn und die "große Präzision", mit der sich Jorge Semprun mit den Ideologien des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt und meint, kaum ein anderer habe sich derart "intensiv" mit den "großen politischen Bewegungen" befasst. Der Autor hat gegen das faschistische Regime unter Franco und in der französischen Resistance gegen die Deutschen gekämpft und war Häftling des KZ Buchenwald, informiert der Rezensent. Dennoch habe er seit seiner Kindheit eine enge Beziehung zur deutschen Sprache, betont Haubrich. Die Vorträge sind allerdings alle auf französisch oder spanisch gehalten worden und bis auf wenige Ausnahmen, die bereits in Übersetzung vorlagen, von Michi Strausfeld und anderen trotz zum Teil sehr "komplexer" Thematik in ein "leicht eingängiges Deutsch" übersetzt worden, wie Haubrich angetan bemerkt.
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